Stadt im Rausch

19.10.16

Zu oft täuschte der strahlend
blaue Himmel des Sommers
über das Offensichtliche
hinweg.

Zu oft legte der ausgelassen
beschwingte Rausch der Nacht
seinen Schleier über die
Zweifel.

Zu selten Zeit genommen
oder gefunden,
zum Denken.
Nur fühlen.

Wo nichts zu fühlen
war.
Ausser manchmal morgens,
Mitleid. Verzweiflung.

Zu fern schienen die armen Seelen,
wild diskutierend mit ihrem Spiegelbild
oder stumm & abgerissen
mit dem Strassenfeger in den
grindigen, zittrigen Händen.

Nächte und Tage in Höhlen verbracht,
die Drogen waren gut, man merkte kaum,
dass die wilden Camps am Bahndamm
einem immer näher kamen.

Was diese Stadt mit den Seelen der Menschen
macht, fragte eine ferne Stimme.
Fressen und auskotzen,
und das Erbrochene
fressen und auskotzen,
immer wieder,
bis keine Substanz mehr
übrigbleibt.