Tempus fugit

04/06/14

Nie hätte man in den frühen 70er Jahren
damit gerechnet,
wie sich, nur wenige Dekaden später,
die Landkarte Europas verändern würde.

 

Um die Jahrhundertwende herum
dann eine Zäsur, wie man so sagt,
doch eigentlich war da schon viel,
bald alles,
passiert.
Es wurde nur noch vollzogen.

 

Und Wissen und Fortschritt,
gar technische Revolutionen, durchaus.
Wer da, nach ein paar Jahren nur,
alles unter einem Dache stand!
– nicht unbedingt zusammen zwar,
doch das Dach, das war da.

 

Und nun, im vierzehnten Jahr?

 

Man weiss natürlich immer erst danach,
dass noch in Jahrhunderten die Rede
sein wird von dieser Zeit.

 

Und nun, im vierzehnten Jahr?
Starb Kaiser Karl,
starb Kaiser Karl.

Klagelied des Dichters wider die idealistischen Aktivisten

09/07/14

Ja seid ihr denn verrückt,
Recht auf Rausch,
schön & gut,
aber bitte:
rezeptfreie Verkaufsstellen,
wo kommen wir denn
da hin?!

Möglichst steril und
sozialverträglich, sauberes
Apothekenschalterneonlicht
statt verdreckter Kanülen.
Eingepreist in den Regelsatz.

Wer hat denn sowas
schon gehört?!
Oder gelesen?
Und eben:

Was soll man denn
darüber für Geschichten schreiben,
über geregelte legale Drogenabgabe,
ohne Knarren, Dreck & Deals?
Kann sich doch keiner ausdenken,
sowas!

trenn/scharf

07.08.04

Spätestens zur Zeitumstellung
ist es Zeit, um Stellung
zu beziehen.

Ich springe in den Graben
zwischen gut und böse
und versinke.

Knietiefer Schlamm.
Trübe Brühe.
Kein Ufer in Sicht.

Die erste Abstraktion der Menschheit
war wohl, Grenzen zu ziehen.
Wo es ging.

Wer das nicht akzeptiert,
wird abgeschoben.
Ins Niemandsland zwischen richtig und falsch.

Die Wahrheit zu pachten
kommt nicht in den Sinn.
Oder teuer zu stehen.

oT 12 (Normalnull)

12.08.15

Seit Wochen meilenweit
entfernt von Normalnull.
Schwankend, von beiden,
von allen Seiten.
Schwankend sowieso
viel zu oft in letzter Zeit,
soviel Ehrlichkeit muss sein.

Keine Perspektive gehabt.
Pure Verzweiflung war eine Option;
für eine Weile, schien es
die einzige.

Doch dann weitete sich,
neben den Blutgefäßen
der Horizont. Alles
schien möglich.
Ausser Normalnull.
Und das Glück prasselte nur so
auf mich ein.

Die alten Rituale, meilenweit entfernt,
ein vertrauter Ort, weg von der Stadt,
zum runterkommen.

Auf dem Rücken treibend, die Schwalben
beobachten, wie sie ihre Beute
knapp über der Wasseroberfläche
wegfangen; ein neues, vielversprechendes
Ritual.

Auf dem Rücken liegend auch später,
nachts, in der Heide, nur Fledermäuse
und der Himmel über uns, wegen dem
wir hier waren, eigentlich.

Viel zu lange her,
viel zu selten gemacht,
viel zu viele Möglichkeiten
und Glück.

Stadt im Rausch

19.10.16

Zu oft täuschte der strahlend
blaue Himmel des Sommers
über das Offensichtliche
hinweg.

Zu oft legte der ausgelassen
beschwingte Rausch der Nacht
seinen Schleier über die
Zweifel.

Zu selten Zeit genommen
oder gefunden,
zum Denken.
Nur fühlen.

Wo nichts zu fühlen
war.
Ausser manchmal morgens,
Mitleid. Verzweiflung.

Zu fern schienen die armen Seelen,
wild diskutierend mit ihrem Spiegelbild
oder stumm & abgerissen
mit dem Strassenfeger in den
grindigen, zittrigen Händen.

Nächte und Tage in Höhlen verbracht,
die Drogen waren gut, man merkte kaum,
dass die wilden Camps am Bahndamm
einem immer näher kamen.

Was diese Stadt mit den Seelen der Menschen
macht, fragte eine ferne Stimme.
Fressen und auskotzen,
und das Erbrochene
fressen und auskotzen,
immer wieder,
bis keine Substanz mehr
übrigbleibt.

Kanal, Oktober

18/10/14

Die Wassersportler aus Grünau
und wer weiss wo sonst noch her,
bepöbeln sich lautstark
beim Saisonabschlussrudern
auf fremden Terrain:
Die Boote liegen im Gras, die
Fünfliterbierfässer ebenso,
und irgendwann wohl auch
die Ruderer.

Schwäne heischen um Aufmerksamkeit,
– nein, um Futter,
und sind ansonsten
desinteressiert.

Die letzten Touristenkähne
schleichen gemächlich durchs Wasser,
Erpel machen sich gegenseitig
das Leben schwer,
ältere Herrschaften fahren
ihren bescheidenen Wohlstand
auf den Wasserwegen spazieren.

Widerwillig löst sich der Hochnebel auf
und lässt die Sonne kurz durch,
bevor sie hinter den Häusern
verschwindet.

Die eingebildeten Schwäne
entpuppen sich bei näherem Hinsehen
auch nur als Giraffenenten.
Und die Bläßrallen tauchen
langsam ab,
wie das Jahr.

 

Amerikanische Wissenschaftler im Gewitter

29/07/14

Vielleicht lag es
an den zu transportierenden
Flüssigkeitsmengen,
sagte der Wissenschaftler,
woran aber auch immer,
es ist Quatsch.

Das mit den Buchen, den Eichen
und dem Gewitter.
Immer schön weit weg
von jedwedem Baum,
das ist die Hauptsache,
sagte er auch.

Na toll, dachte ich,
hat mir sehr geholfen,
dieser fachkundige Rat,
als ich den ersten Donner
grollen hörte,
mitten im Wald.

Durchbruch?

(06.12.15)
Monate inzwischen gearbeitet,
in allen Positionen.
Allen.

Trotz der kurzen Zeit
(&mit Berlinjahrzehnten auf dem Buckel,
traurig, aber wahr. &gar nicht traurig, eigentlich!) –
Alles schon gesehen.
Alles.

Doch nie wirklich aufgetaut.
Spass gehabt: sicherlich!
Fast alle Genres und Publikümer durch.

Nette&grossartige&überraschende Begegnungen
und versoffene Morgene,
mit Sternchen, die viel mehr brodeln als man denkt,
alten Punkrockern aus dem letzten Jahrtausend
&dem ganzen Rest: artertracks haben auch schon gedreht.

Aber: Das Eis knirschte nur, brach nicht.
Und sowieso: Ich tanze nicht!
Nie!

Unerwartet dann, nach grandiosen elf Tagen;
bei den Punkrockboys (in ihren Feinrippunterhemden)
(nicht beabsichtigt, aber passend wie Arsch auf Eimer –
wie die Punkrockboys auf die Bullen): Der Durchbruch.
Und ich tanzte.

Zuhause, nach der langen Nacht, zum runterfahren
(&weil ich bei der Recherche zum nun toten Stonetemplepilotssänger drauf kam,
auf diese eine tolle 90er Playlist, achwasbinichalt):
Erst das Creep-Cover von Eliza Dolittle – unbedingt & nur mit Kopfhörern natürlich!
Dann doch noch mal das Original, das letzte aufputschende Aufbäumen.
Und schliesslich pünktlich zum Sonnenaufgang total fertig ins Bett fallen.

alte heimat

05.09.15

Schon Wochen
bevor ich aus Kreuzberg verschwinden musste
stellte ich sicher,
dass die Bindung möglichst stark bleibt,
und ging Verpflichtungen ein.

Wie Ewigkeiten schon nicht mehr,
stärker als all die Jahre, mindestens seit damals,
seit dem letzten Plenum.
und nichts hat sich
verändert.

Die gleichen Debatten, im Großen & Ganzen.
Der gleiche Spass auch, natürlich.
Die gleichen Probleme, Fälle & Fallen, Schicksale, Süchte.
Und die gleiche Euphorie hinterm Tresen,
wenn das Konzert vorne gut ist.

Nicht nur als angenehmer Nebeneffekt, sondern
eigentlich nur, weil das mein
Zuhause ist, war, der Kiez
und die Leute,
bin ich hier.

Bleibe ich hier.

Ankommen

20.08.15

Dort entlang, wo es einst heimwärts ging,
tagsüber ein paar Mal,
doch noch viel öfter nachts.

Immer geradeaus, ist nunmal
die schnellste Strecke, nein:
die kürzeste.

Baustellen pflastern den Weg, überall
und immer wieder woanders.
Kaum ein Durchkommen.

Das Stückchen, was mal Prachtmeile werden sollte,
ist nichts als Kulisse mit Statisten in Uniformen
und im Kreis radelnden Stammtischen.

Vorbei zum Glück spätestens nach dem Nadelöhr
Oranienburger Tor. Das Tacheles, wie alles hier,
sah bessere, aufregendere Tage. Tristesse.

Kaum wechselt die Strasse zum zweiten Mal den Namen,
Quietschen die Reifen der Streifenwagen,
Und die viel breiteren ihrer Counterparts.

Kurz vor dem Ziel schallt eine kräftige Stimme über die Kreuzung:
“Kann es sein, dass sie gerade eine kritische Bemerkung mir gegenüber machten?”
Nochmal kräftig in die Pedale treten und um die Kurve,
bevor er die Knarre rausholt.

 

 

November

24.11.14

Keine Lust haben.
Auf Nichts.
Kapitulieren.
Vor Allem.

Hauptsächlich liegen.
Schlecht schlafen;
zu unmöglichen Zeiten.

Nicht gerade förderlich,
wenn eine halbe Stunde
nach dem Aufwachen
die Sonne untergeht.

Der Regen und das Grau
bleiben.

Nichts mehr wollen,
nichts mehr hoffen.
Doch: Das Ende.

Doch das Ende sieht noch
einen schwachen Funken
glimmen
(sein Name sei Angst)
und hält sich zurück.
Noch.

Freier Markt

29.06.15

Bei den Millionen, die hier wohnen,

wird sich’s wohl lohnen, keinen schonen,

lassen sich doch alle klonen, sind wie Drohnen,

kippt einer um rückt der Nächste nach.

 

Keine Bange, die stehen lange

in der Schlange, Stunden, Nächte, dank dem Zwange

durchzuhalten, andre Wange, Ankunft Ende Fahnenstange,

haben keine Wahl.

 

 

Wunschtraum

22.08.04

 

Manchmal würde ich gern ein Buch darüber schreiben,
wie es ist, ein Schriftsteller zu sein.
Oder wenigstens ein Gedicht.

Wie es ist, früh aufzustehen und
um zwölf schon drei Seiten
geschrieben zu haben.

Die werden dann am Nachmittag
verworfen.
So richtig als zusammengeknülltes Blatt
in den Papierkorb.
Und die Schreibmaschine wird neu bespannt.

Wenn mir die Inspiration fehlt,
gehe ich eine Runde
mit dem Hund spazieren
und atme frische Luft.

Abends werde ich der Frau
die mich liebt,
ohne Scheu und Scham
vorlesen, was vom Tage übrigblieb.

Nun bin ich allein.
Habe weder Frau noch Hund
noch Schreibmaschine
und sitze den ganzen Tag nur so rum.

Aussen Minister, innen Quatsch

29.04.10

Während im Bonner Haus der Geschichte
seine Nike-Turnschuhe vor sich hin müffeln,
stellte Joseph Fischer
bei seiner Antrittsvorlesung an der Heinrich-Heine-Universität
in bewährter Oberlehrer-Ex-Aussenministermanier
eine Frage,
die natürlich nur er beantworten konnte:

Wann denn wohl die erste EU-Osterweiterung war?

Am 3. Oktober 1990
antwortete er sich stolz selbst
und grinste auch selbst gefällig.

Am gleichen Tag
gab es auch noch
bedeutende außenpolitische Vorträge
von seinen beiden
Nachfolgern.

Helmut Schmidt hatte Wichtigeres zu tun,
er musste den Aschenbecher ausleeren.

 

Bilanz 10-2

29.04.10

 

Wo auf einmal das ganze Geld herkommt

frage ich mich.

Erst Abermilliarden für Banken.

Jetzt noch für Griechenland,

und bald für Portugal,

das von jemanden regiert wird

der Socrates heisst.

 

Derweil im Fernsehen ein Reporter:

„Die Mehrheit der Deutschen will keine Steuersenkung, Herr Solms.“

Man stelle sich diese Aussage mal vor fünf Jahren vor.

Oder die Antwort von Hermann Otto Prinz zu Solms-Hohensolms-Lich:

„Die Mehrheit der Deutschen zahlt ja auch keine Steuern.“

 

Und während wir am anderen Ende der Welt

umgangssprachlich Krieg führen,

ist das Hauptgesprächsthema wie immer

dass es jetzt aber wirklich mal Zeit wurde

mit dem Frühling, nach dem Winter.

 

seotoninlevel gleich null

Ich wüsste jetzt alles
über die optimale Positionierung,
wenn mir sowas wichtig wäre,
wenn es mir darum ginge,
wenn ich meine Marke aufbauen
& womöglich noch nach vorne
bringen wollen würde.

[„Du bist mir ja ’ne Marke“
sagte man früher und erntete
vielleicht ein freundlich-empörtes
„Wie bitte?!“
Heute wird das als Kompliment betrachtet
und sich artignaiv dafür bedankt.]

Will ich aber gar nicht,
trotzdem gut zu wissen,
mit welchem Wasser
all diese Grosssprecher
& Wichtigtuer kochen,
um ihre heisse Luft
zu produzieren.

Kanal, immer noch

14.03.14

 

Ich habe gar nichts dagegen,

dass jetzt diese ganzen Leute

hier das erste Frühlingswochenende

geniessen.

 

Ich mache das ja auch nicht

ohne Grund schon seit Jahren.

Es ist einfach schön, der Ort

kann doch nichts für sein Publikum.

 

Und wenn du Ende Februar/Anfang März,

abends, so um halb sechs,

am Urban lang gehst,

noch mit hochgeschlagenem Kragen,

musst du dir, nachdem an der Brücke

das obligatorische Augustiner gekauft wurde,

auf der anderen Seite die Jacke ausziehen.

Weil es eben doch schon so warm ist,

dort, wo die Sonne noch scheint.

 

[Und das, was du für die unvermeidliche

Hipsteransammlung gehalten hast,

sind einfach nur ein paar

Kreuzberger Oberstufenschüler

bei ihren ersten Kiffversuchen.

 

Nachtrag, Juni:

Es geht aber vielleicht doch zu weit,

wenn jetzt, wie deutlich am geparkten Bus zu lesen,

Rentner aus dem Ruppiner Land

auf das Restaurantschiff verfrachtet werden

und gaffen wie im Zoo.]

Entdeckung

02.06.14

 

Bei Fauser

– es ging irgendwie um die Startbahn West –

gerade ein neues, altes Wort gelernt:

Forstadjunkt.

 

Verwirrt;

erst nach mehreren Anläufen

verstand ich:

 

Einfach irgendwas mit dem Wald,

dem Deutschen;

das kann Fauser nämlich auch,

und vor allem immer wieder

überraschen.

 

Nicht das, was man

– was ich –

bei ihm eigentlich erwartet:

Vorstadtjunk.

 

Fragment I

(05/14)

Morgens, wenn ich aufstehe

und die Zeit anschalte.

Nur noch eine blasse Erinnerung

an den Traum:

Wir bauen uns einen Staat

voller fröhlicher, hüpfender Menschen

und nennen ihn Saltonat.

Mittwochs treffen sich alle auf dem Großen Platz

zum Springstoffanschlag

und draussen gibt es nicht nur Kännchen.

Kein Titel

Kein Rant, kein Appell, kein Rückblick.

Keine guten Vorsätze.

Keine Empörung, nur stummes Verzweifeln.

Kein Schnee, keine Geschenke und keine Lieder.

Keine Party, nichts zu feiern.

Kein Kater, immerhin.

Kein Mut und kein Sinn.

Kein Glaube, keine Liebe, keine Hoffnung.

Keine Ahnung, wie das weitergehen soll.

Kein Ende in Sicht.

Keine letzten Worte.

 

Keine Lügen mehr.

Keine Schuldzuschreibungen.

Keine Ausflüchte und keine Kompromisse.

Kein Warten auf Besserung.

Kein Aber und kein Was wäre wenn.

Keine Ahnung, ob das klappt.

Keine andere Möglichkeit.

Keine letzten Worte.

Zwischen Schönhauser und Kastanie

22.05.03

Auf einem wilden Baulücken-Parkplatz, glücklich
überhaupt noch solch einen gefunden zu haben,
heute morgen, früh raus, viel zu tun.
Geldeintreiben, keine große Sache.

 

Parkplätze sind hier selten.
Und teuer.

 

Vielleicht war es ja auch ein Baugrundstück mit insolventem Investor.
Bürotürme sehen ähnlich scheisse aus wie ein Fünfzig-Auto-Haufen.
Sand-matschig, Pfützen, ein freier Platz, nicht ohne Grund.

 

Ein kleiner See.
Eine Riesenpfütze.

 

Mir egal,
ich hatte offene Rechnungen zu begleichen.
Und Gummistiefel im Kofferraum.

 

Beim Aussteigen, im Augenwinkel, ein verwirrter Blick.
Optische Täuschung,
kennt man ja.

 

Am Nebenauto. Erst: Wohl ein Spassgesellschafts-Spass.
Dann genauer. Zwischen Motorhaube und Kotflügel,
direkt vorne an der Ecke bei der Scheibe.

 

In diesem winzigen Spalt. Klemmte ein Fuß

kopfüber dran die Amsel.

 

Meine Kriege, unsere Kriege

05.05.14

Ach was, von wegen friedliche Zeiten:
Dummes Zeug von Menschen, die es besser wissen müssten.
Beschwören ihr Europa, hat ja so viel Frieden gebracht
und garantiert.

Als ich ankam in diesem Europa,
rüstete es sich gerade zum Einmarsch
zusammen mit dem großen Bruder
Leader of the free world
um die Wiege der Zivilisation
platt zu machen.

Aber das war ja weit weg.
Und trotzdem gingen wir auf die Strasse
statt in die Kasernen.

Ein paar Jahre Ruhe
und Ernüchterung später
tobten die Gräuel dort
wo ich als Kind glaubte,
das Paradies auf Erden
gefunden zu haben.

Jetzt rückten einige von uns
in die Kasernen ein: zivilisiert –haha!-
in ordentlichen Uniformen.
Arbeitsplatz sicher bis zum Tod,
Karrierechancen immerhin,
sowas wächst in der Provinz
nicht auf den Bäumen.
Andere zogen eher verwegen,
verschlagen  und verblendet
in die Schlacht,
als Handlanger und Handschar
der jeweiligen Nationalisten.

Eine bahnbrechende Wahl später
eröffneten dann die regierenden Friedensaktivisten
– wer waren denn die Guten, wenn nicht sie! –
drei Ecken weiter das nächste Gemetzel.
Begründung: Auschwitz.

Für einen weiteren Krieg reichte der Atem noch:
Wegen der Solidarität, wir waren jetzt schliesslich
alle Amerikaner.
Der nächste wurde dann aber ausgelassen,
wegen der Wahlen, und ausserdem
waren wir da doch schon mal.

Seitdem ist die Lage unübersichtlich,
erst wurde mit implodierenden Banken geschossen,
die in Europas Süden verwüstete Schlachtfelder hinterliessen.
Doch nun endlich wird auch wieder Platz gemacht
in den Munitionsdepots der Militärs,
um dem Russen zu zeigen,
was so eine richtige Harke ist.
Mitten im ach so friedlichen Europa.

Derweil gibt es immer mehr von denen,
die den Krieg erlebt, gesehen, erkannt.
Zurückgekehrt mit einer neuen Diagnose
für den alten Wahnsinn, dem man verfällt,
der einen schüttelt, für Jahre die Sprache
oder den Verstand raubt.

Weil das Töten so leicht und distanziert geworden ist,
wird es Zeit, dass denen,
die begeistert in den Krieg ziehen
oder andere hineintreiben
dieser Krieg entgegenkommt
und sie mal in ihren eigenen vier Wänden
besucht.

Seit Wochen rollen die Panzer
nun mitten durch Europa,
oder brennen aus, weil zu allem
Überfluss da genügend Leute
mit Panzerfäusten rumlaufen.

Seit fünfzig Jahren Garant
für Frieden und Sicherheit
my ass!

Irrtum

06.07.14

Im Wald unterwegs.
Ein Bier mitgenommen
& aufgemacht:
Die Hitze!

In der inzwischen pubertären
Kiefernschonung
mich dann die ganze Zeit gewundert
was das für seltsame Tiergeräusche sind:

Vögel eher nicht, es summt mehr,
als es zwitschert.

Vielleicht ein Moskitoschwarm,
oder andere komische Insekten,
man weiss ja nie, heutzutage.

Es flog nur nichts,
schon gar nicht im Zusammenhang
mit den Geräuschen,
die mich konstant begleiteten.

Bevor ich kirre wurde,
wollte ich dem auf den Grund gehen;
vorher aber noch
ein kräftiger Schluck.

Und siehe da, der schiefe Kronkorken
war schuld:
Er ließ ein paar Schaumbläschen durch,
die ihre Freiheit besangen,
ehe sie zerplatzten.

 

o.T. (2)

[nothing changed]

03.08.04

Du kannst dir jeden Tag
deine Meinung aus dem Leib brüllen,
Leserbriefe schreiben
und dich bei Call-Center-Sklaven
beschweren.

 

Du kannst Demonstrationen anmelden,
Kreuzchen machen
und Parteien gründen.

 

Doch was gut und böse
oder richtig und falsch
und vor allem zu tun ist,
entscheiden andere.

 

Zum Schluß
gewinnt immer noch der
mit der größten Knarre.

Systemkritisches Frisurenverhalten szenetypischer Großstadtrandgruppen

12.08.03

Aus politischer Überzeugung
störe ich seit zehn Jahren
meine Haare nicht mehr
beim Wachsen.

Doch jetzt erst fiel mir auf,
dass ich damit wirklich dem System schade.
Durch gesparte Friseur- und Kammkosten.

Für wie viele fehlenden Arbeitsplätze
ich wohl über die Jahre gesorgt habe?

Allerdings werde ich noch übertrumpft,
durch die guten alten Rude Boy Skins.
Kein Friseur, kein Kamm, kein Shampoo.
(Kein Gott, kein Staat, kein Vaterland)

Aber: Die der Wirtschaft vorenthaltenen Gelder,
werden am anderen Ende wieder ausgegeben,
für Haarlack und Farbe,
von den Punks,
den Deppen.

Das andere HH

23.08.10

Hier fliesst die Rur,
ganz in der Nähe
der anderen,
nur ohne H.

Hier gibt es Tauben,
die nicht dreckig, grau und
räudig sind, sondern bunt und stolz.
Wie ihre Besitzer, die sie nämlich haben.

Nachts sieht man richtig viele Sterne,
und ab und zu auch fallende.
Statt Großstadtlichter brennen hier
höchstens mal Strohfeuer.

Selbst die Fliegen sind nicht grau,
sondern glitzern grün und schillernd,
und freitags gibt’s auf dem Markt
lekker Fisch vom Holländer.

Der wohnt wirklich gleich
um die Ecke,
und auch der nächste Ikea
ist von hier aus dort, und billiger.

Trotzdem, und auch wenn ich dort keine
Terrasse, Ruhe oder dunklen Nächte
habe:
Ich vermisse dich,
Berlin.

Zu irgendwas muss diese Nazitante ja gut sein

10.07.14

Gestern habe ich
meine Wohnung verloren.
Was Quatsch ist,
denn dann hätte ich ja
gehen können und sie suchen,
hätte ich sie verloren.

 

Also rausgeschmissen,
ganz banal & legal,
mit Geld,
wie das heute nun mal ist,
auf dem Markt, der sich Leben nennt.
Bin ja längst nicht der Einzige,
ganz im Gegenteil.

 

Deswegen gehe ich morgen,
zusammen mit den Anderen,
zur Steinbach,
und ob sie will oder nicht,
machen wir dort dann
unser eigenes
Heimatvertriebenenchapter auf.

Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste. Und: Nicht alles, was hier steht, muss auch wirklich so passiert sein. Noch nicht. Trotzdem ist es wahr. 

Gdańsk II

03.09.10

Wenn die Solidarnosc-Feuerwerke vorbei
und Langfuhr besichtigt
und für grau und trüb befunden,
und selbst auf Oskars Bench
ein Betrunkener schläft,
sein Frühstück in Form einer Schnapsflasche
neben die Bank gestellt
und die Alufolie seines Trinkpausenbrotes
auf der Denkmaltrommel platziert:

 

Ist doch diese Stadt,
mit dieser Werft,
mit diesen Arbeitern,
und diese Stadt,
mit diesen Frauen,
mit diesen Absätzen,
und dieses Danzig,
mit dieser Geschichte,
mit diesen Mauern,
mir soviel näher
als jedes bayrische Kaff.

 

Da kann kein Grass oder Kaczinski
Mir die Laune nicht verderben.

 

Hamburg, schon eine Perle

12.04.14

In Hamburg gewesen,
endlich mal wieder.
Freitag abends auf der Dachterrasse
bei der Schilleroper gesessen,
auf der mal die Rote Fahne wehte,
als das noch was bedeutete.
Viel zu viele Flaschen Wein leergetrunken,
und auch den Port.

 

Gegessen und geredet und geraucht.
Am Ende wurde A.’s Fuß
vom Bärenfangeisen gefressen,
das sich als rostiger
Stammtischaschenbecher getarnt hatte.

 

Am nächsten Morgen los, zu Fuß:
Runter zu den Landungsbrücken,
Speicherstadt und Hafencity
links liegengelassen, wie es sich gehört,
sind eh nur hässlicher geworden.

 

Stattdessen durch den Tunnel
rüber nach Steinwerder
und stundenlang durch Containerlager gelaufen.
Ein Fischbrötchen und ein Astra
mussten dann aber doch sein,
Klischeezugeständnis.

 

Später alleine, noch ein Bier beim Pudel,
die entspannten Menschen vor der Kirche beobachtet,
und überlegt, warum die das in Berlin
nicht auch so gut hinbekommen,
(und wissen: die Antifas haben es verkackt;
und eingestehen: St.Pauli samt Kirche kann’s besser)
dann über die Davidstrasse zurück.
Beim Kreuzen der Reeperbahn
unweigerlich Lindenberg im Ohr.

 

Da die Zeit noch nicht gekommen war,
die wir vereinbart hatten,
blieb noch genügend von ihr,
um mit Horst beim Grünen Jäger
ein Feierabendbier zu trinken,
und zu diskutieren, ob Pauli
es in die Relegation schafft,
womöglich gegen den HSV.

 

Abends merkten wir Schreibtischmenschen
dann unsere wunden Füße
und schleppten uns nur
um der alten Zeiten willen
zur Flora.

 

Was Hamburg betrifft,
hat Berlin allen Grund,
eifersüchtig zu sein:
Da ist meine Liebe durchaus
wankelmütig.

 

 

 

 

 

 

*

Die Herrschaft der Roten Königin*

(oder: Deine Mudda is‘ Kapitalismus, du Subjekt!**)

26.02.14

Weil du schneller rennen musst
als du überhaupt kannst,
nur um auf deiner Sprosse der Leiter
stehenzubleiben,

 

bist du so flexibel geworden,
dass du inzwischen
deinem unternehmerischen Selbst
selbst in den Arsch kriechen kannst.

 

Hauptsache, du bist bald nicht mehr
auf diese miesen Jobs angewiesen,
weil du endlich
eine Stelle ergattern konntest.

 

Aber egal, denn:
Je mehr Weltuntergangsszenarien versagen,
desto höher die Wahrscheinlichkeit,
dass das nächste stimmt.

 

*
**

Glück gehabt

27.04.14

Mein Hund hat schon auf diese Wiese
geschissen,
als die Stadt die Steppe dahinter
noch nicht mal als Bauland
deklariert hatte.

 

Und jetzt stehst du da
in deinem millimetergrünen Vorgarten
mit nichts weiter drin
als den Grashalmsoldaten
und einem Trampolin,
für die Kinder – aber nicht zu laut!

 

Und willst mir irgendwas von
Kacktüten erzählen?!

 

Über so einen Wichser wie dich
hätte ich eigentlich jetzt in der S-Bahn
gut ein wütendes Gedicht schreiben können:
Da hast du also ganz schön Glück gehabt,
dass ich, um in Fahrt zu kommen
noch kurz den Fauser aufgeschlagen habe.

 

Blues für Blondinen:
Fünf Deutsche Mark, Ullstein Buch, populäre Kultur,
Mai 1984.
Aus den Kisten vor der Humboldt-Uni,
vor circa 15 Jahren gekauft
und locker drei Mal gelesen.
Alles bekannt, alles gut, so weit (ich mich erinnere).

 

Und dann dankt man auf der ersten Seite,
ab den ersten Zeilen von Blumen für die Mauer
seinem Kiffergedächtnis oder wem auch immer,
dafür, dass der Fauser einen immer wieder
so umhaut.

 

Da hast du also ganz schön Glück gehabt,
und ich eine Extrarunde auf dem Ring.

 

 

***

…aber ich bin kein netter Mensch, sondern Schriftsteller, einer der Dunkelmänner also, die beim ältesten Verfassungsschutz der Welt angestellt sind, beim Verfassungsschutz für Sprache und für Zweifel. Und natürlich: Ich bin kein Berliner. (ib.)

 

Was man so sagen könnte

03/06/14

 

Gerade kriecht die Gentrifizierung bei mir um die Strassenecke,
könnte man so sagen.
Oder man könnte sagen,
da werden ein paar neue Läden aufgemacht,
schick mit prächtigen Blumen in den Schaufenstern
und Flachbildschirmen an der Decke.

 

Dort wo früher ein paar alte Läden waren,
und dann gar nichts,
und dann Baugerüste.

 

„Hier bist du sicher.“ Meinte einer,
der schon lange im Wedding wohnt.
Hochbahn, keine Entwicklungsmöglichkeiten,
wenigstens im Umkreis von drei Querstrassen.

 

Und dann kommen eben diese Läden mit den
viel zu üppigen Blumensträußen im Fenster
um die Ecke gekrochen.
Und scheren sich einen Scheiss drum,
was Leute aus dem Wedding sagen.

Irreführung

03.07.14

Da stehe ich nun,
gegenüber das Haus, in dem ich mal wohnte:
Unten immer noch die Kneipe drin,
und die Arschlöcher stellen immer noch
Stühle direkt vor die eh schon viel zu schmale
Haustür.

 

Ich betrete den Laden, schau mich kurz um:
Der Verkäufer linst fragend über die halbe Brille.
Drecksack! Sage ich, laut und deutlich.
Und bekomme, wonach ich verlangt.
Unbedingt weiterempfehlen! bittet er mich noch.
Voilà!

 

Ich halte Werbung ja für eines der Grundübel unserer Zeit. Dabei war das mal ein schönes Wort (bzw. schöne Tätigkeit), auf das Zwischenmenschliche bezogen. Wie aber nennt man nun das hier, wo ich unzweifelhaft für etwas werbe, jedoch ohne Wissen & Auftrag der Beworbenen?

Wenn es hochkommt

28.10.08

Du denkst,
du hast zu wenig Gras,
um was zu schreiben.
Nämlich gar keins.

Du schaust dir
diese verdammte neue Serie
mit Mulder an.
Der jetzt Hank heisst.
Natürlich, wie sonst.

Du denkst,
die Sache mit dem Schreiben
ist vorbei.
War nur eine Phase.
Ist vorbei.

Hast es verpasst.
Hast zu viele gute Bücher,
Filme,
Musik,
verpasst.

Wenn es hochkommt,
liest du die Wochenzeitung
zur Hälfte durch.

Machst deinen Job,
liebst deine Frau,
(doch du fickst sie nicht mehr)
gehst am Wochenende saufen.

Wenn es hochkommt
verliebst du dich mal kurz.

Doch du streitest es ab:
Du küsst sie nicht,
du schreibst nicht,
du kündigst nicht.

Du lebst dein braves Leben,
träumst deinen wilden Traum,
und denkst
es ist eh
zu spät.

Du bist zu alt,
du bist zu schlecht,
du bist doch
ganz zufrieden.

Und sitzt dann trotzdem nächtelang
wach.
(Schaust dir diese verdammte Serie
mit Mulder an.)
Du schreibst, du säufst, und du weißt,
dass es nicht stimmt.

Jetzt ist halt kein passender Zeitpunkt,
erst in zehn Jahren
oder so,
wenn du noch viel selbstmitleidiger bist.

Bis es dir hochkommt,
irgendwann.
Irgendwie aus aktuellem Anlass.

o.T. 5

20.08.05

Noch nie
hatten wir so viel
Vergangenheit
wie jetzt.
Das fordert
schon allein
die Zeit.

Jeden Tag
neue Massaker
und Kriege.
Was soll das
für ein Gedächtnis sein
in
sagen wir mal
zweihundert Jahren?

Das wird
noch eine große Aufgabe
werden.
Für die Pharmakonzerne.

NFS-Reminiszenz

22.08.03

Eines Tages, als es krachte,
ich mich auf die Socken machte.
Auf die Straße, Unfall gucken,
`n paar Teile warn noch am Zucken.

Mein Nachbar, wohl noch neu darin,
wurde etwas schmal ums Kinn.
Drauf gab ich ihm `nen weisen Rat,
wie man`s mit mir auch früher tat:

Schau lustiger,
Schaulustiger!

 

 

(* passt aber auch ganz gut zum Wahlausgang)

Requiem für Harry Gelb

(eigentlich wollte ich als nächstes einen anderen alten Text hier einstellen. Die letzten Kommentare erinnerten mich aber an die folgenden – ebenso alten – Worte und ich kramte sie aus dem Archiv:)

19/07/06

Nachts um drei
mit Rohstoff fertig.
Mal wieder.

An Drogen:
seit einer Woche nur noch Bier.
Selbst das:
ab Werk mit Zitronenlimonade gestreckt.

Versucht, die Fauser-Gedichte
aus dem Regal zu holen
und dabei kräftig
über Stühle gestürzt.

Kaputtes Knie, kaputtes Leben.
Der Alkohol wirkt also doch.
Und Fauser sowieso.

 

Verlogene Volksverhetzer

31.08.10

Wenn mal wieder
die schweigende Mehrheit
als Argument aus dem Sack geholt wird.

Und ihre hässliche Nachgeburt
„das wird man doch mal sagen dürfen“
gleich mit.

Nur um wirres Zeug
in eh schon wirre Köpfe
zu verpflanzen.

Dann wird es Zeit zu entgegnen
denen, die sich brüllend und keifend
auf die schweigende Mehrheit berufen,
was man dieser eigentlich nicht sagen muss:
Halt deine verdammte Fresse, hergottnocheinmal!

*

**

Erinnerungsfetzen, plus Zugabe

Nachdem hier wieder etwas Ruhe eingekehrt ist und ich erst mal weiter Gedanken & Links für die nächsten Texte sammeln muss, gibt es heute nur etwas aus der Mottenkiste alter Notizbücher. Der Kommentar von Johannes hat mich drauf gebracht: „da hattest du doch auch mal was zu geschrieben“ meinte ich, mich zu erinnern – und richtig (beim Stöbern stiess ich dann auch noch auf die Zugabe: Das muss auch mal wieder raus aus der Schublade und an die frische Luft, dachte ich mir, als ich es entdeckte):

Ausgeleiert.

05.08.03

Und früher
war sowieso alles besser.
Die Autobahnen.
Die Bahn.

Und früher
konnten die Leute noch lesen.
Romane.
Mein Kampf.

Und früher
gab`s noch kein Fernsehen.
Nur Riefenstahl im Kino.
Und Neger auf dem Jahrmarkt.

…Später

Im Jahr 2043
wird der Bundeskanzler,
so wie zwei Drittel seiner Altersgruppe,
(auf dem Schulterblatt, im Nacken, überm Arsch)
ein trendy Tribal Tatoo haben.

Und seine Frau zu Hause findet,
dass das Bauchnabelpiercing
spätestens nach dem dritten Kind
ausgeleiert aussieht.

zumutbar

13.05.04

falls sie dir mal wieder erzählen
dass du alles schaffen kannst
wenn du nur willst
und hart genug arbeitest

falls mal wieder jemand
vor deiner nase drei einfamilienhäuser
durch die gegend fährt
ohne sich zu schämen

falls sie denen, die nur glotzen können
mal wieder hämisch ihre villen
ferraris und yachten
unter die nase reiben

und ansonsten gesagt wird
dass prinzipiell jede arbeit
zumutbar ist

dann wird es zeit
dass du dir einen gewerbeschein holst
als selbstständiger amokläufer
oder sonstiger psychopath.

Fundstück, Rohfassung

Speicherkarte des Mobiltelefons aufgeräumt. Einiges wiederentdeckt, unter anderem dieses:

Sie machen Liebe oder Bloedsinn oder sie spielen Schach

13.07.10

Du kannst dich natuerlich aufregen
Ueber die ganzen Touris, Studenten und
Billigbiergeschaeftemacher.

Kannst von Gentrifizierung reden und
Deine Ruhe haben wollen,
Schliesslich ist das `ne Bruecke und kein Club,
und deine Kinder wollen schlafen.

Andererseits kannst du es auch geniessen,
Ein paar Meter weiter, zugegeben, vorm Urban:
Die laue Brise, die vielen Sprachen,
die Gerueche und die verschwindende Sonne.

Und dabei gedanklich den alten van Dannen-Schlager mitsummen:
Wenn im Urbanhafen
Die Schwaene schlafen….

Und ganz ehrlich:
Es gibt schlimmeres,
Zum Beispiel Macbookidioten
In Prenzlauerbergcafes.