Aus dem Maschinenraum

 

Nachdem ich lange auf das zugegeben wunderbare Fauser-Porträt als Profilbild zurückgegriffen habe, wurde es langsam Zeit, eines zu verwenden, auf dem wirklich ich zu erkennen bin. Zwar ohne den gesegneten Schnauzer Fausers, dafür bei einer meiner häufigsten Tätigkeiten…Man wird halt nicht jünger, muss dafür aber nachts öfter mal raus.

rueckseite

 

Ansonsten: Irgendwie bin ich noch hier. Immerhin. Aber die Maschinen stocken ab und an, es müsste einiges mal wieder geölt und geputzt werden, unzählige Fotos warten darauf, gescannt zu werden, ein neuer Computer müsste her, die Blogroll gehört entstaubt…alles Probleme, um die sich eventuell im nächsten Jahr gekümmert wird. Wer weiss das schon, ich bin schliesslich kein Hellseher und scheine sowieso mehr in der Vergangenheit als in der Zukunft zu leben. Wer will auch schon in so einer Zukunft leben…

Gefunden / Anfang, Mitte November

Inzwischen ist die Zeitumstellung längst Geschichte; vorbei auch die Zeiten, in denen ich morgens nach der Schicht im gleissenden Sonnenlicht mit dem Rad nach Hause fuhr und dabei ungläubig feststellte, dass der Sandstein des Reichstags im richtigen Licht beinahe so schön aussieht wie der in Jerusalem, ein unpassender, unangebrachter Vergleich natürlich. Doch zuerst das Wichtige, Drängende – ich hatte ja bereits an anderer Stelle darauf hingewiesen & kann dies jetzt mit Bild und Ton wiederholen:

Zeit, mal wieder Häuser zu besetzen, na klar. Viele Projekte in dieser Stadt feierten gerade ihr 25jähriges Bestehen, oder tun das demnächst. Was als Utopie in einer unfertigen Möchtgernmetropole begann, muss nun nach einem Vierteljahrhundert Realität oft den Verwertungsinteressen weichen. Dann bleibt vielleicht nicht viel mehr, als Filme darüber zu drehen.

Jetzt sitze ich hier und beobachte das erste Schneetreiben des Winters durch die Fensterscheiben. Das Wetter war es auch, in seiner windig-nasskalten Variante, was dazu führte, dass der Heimweg in letzter Zeit meist mit dem N6er angetreten wurde. Diese Runde wird auch immer größer; ich bin nicht der letzte, der in den Wedding ziehen musste.

Nach dem Verschwinden des Rucksacks begann ich, den König David Bericht zu lesen, das nächste Buch auf dem Noch-zu-lesen-Stapel. Versuchte hie und da, Bruchstücke und Textfragmente des Notizbuchs aus dem Gedächtnis zu rekonstruieren, worin ich noch nie gut war. Vor allem schmerzte der Verlust der seitenlangen Notizen & Ideen für den einen und den anderen langen Text.

Der Rucksack samt aller darin enthaltener Schätze wurde mir dann eine halbe Woche später ausgehändigt: Er lag einfach in einer dunklen Ecke eines dunklen Zimmers unter einem Haufen schwarzer Klamotten – kein Wunder also, dass ich ihn beim oberflächlichen Suchen nicht fand.

Verzwickt wie die Mühle, anders kann ich es nicht erklären. Mein Rhythmus ist komplett im Arsch, auf den Nachtschichtmodus eingestellt für die halbe Woche. Allerdings habe ich es mir ja selbst so ausgesucht: Mir die Nächte um die Ohren zu schlagen, Ideen & Eindrücke sammeln, für deren Niederschrift kaum Zeit bleibt. Zu dem Teil gehören, der nicht aus Spass auf Konzerten ist – oder nicht nur – sondern zum Arbeiten. Auch wenn man es selten so nennt & empfindet, sondern einfach als anstrengendes Vergnügen. Ich bin im Feld, immerhin.

Vieles gelingt, vieles auch nicht. Zu viele Menschen, zu viel Menschliches. Erkenntnisse reifen, Entscheidungen fallen. Manches geht nach hinten los, manchmal geht das Kairos an einem vorbei, lässt man es ungenutzt vorbeiziehen. Perfekte Tage sind Hirngespinste, perfekte Momente aber durchaus möglich. Vieles, was ich in diesem Jahr erledigen wollte, liegt in weiter Ferne. Trotzdem wurde Einiges geschafft, auch Unerwartetes. Loslassen und Neues wagen.

[Meta]

Im Gegensatz zu vor einem Jahr habe ich aber auch viel weniger Möglichkeiten, einfach rumzusitzen & auf dumme Gedanken zu kommen – dafür treibe ich mich viel zu sehr rum und habe viel zu viel zu tun, vergleichsweise. Das kann natürlich auch zu Zweifeln und Missmut führen; ich habe es weder nach Hamburg noch an die Ostsee geschafft, beispielsweise.

Dass Abstriche gemacht werden müssen, sieht man hier ziemlich deutlich, wenn man sich die Mühe macht, und die Blogseiten des letzten Herbstes anschaut. Da gab es vielfältigere Texte, und viel mehr sowieso. Gerne hätte ich mal wieder eine Linkliste rausgehauen, doch dafür hätte ich viel mehr Blogs lesen müssen – zwei Vorhaben, die ich wohl in diesem Jahr nicht mehr umsetzen werde.

Ebenso steht es um die nächste Ladung Bilder – dass hier noch gewartet werden muss, kann ich wenigstens auf das schlechte Wetter in der letzten Zeit schieben. Doch dafür kommt demnächst wohl eine neue Kategorie hinzu (ganz zu schweigen von der nötigen Feinabstimmung, die hinter den Kulissen dringend nötig ist): Der Noch-zu-lesen-Bücherstapel hat immerhin ordentlich abgenommen, dementsprechend sind die Stapel gewachsen, aus denen die angestrichenen Zeilen und am Rand hingekritzelten Notizen abgeschrieben werden müssen. So könnte es also sein, dass ich ab und zu, wenn ich denn dazu komme, das eine oder andere Zitat veröffentlichen werde, denn schliesslich dient mir das Blog auch als eine Art Notizbuch.

Wobei das mit der Wiedergabe fremder Inhalte, umschreiben wir es mal so, ja nie leicht ist, man sich irgendwie immer auf unsicherem Terrain bewegt. Ich glaubte eigentlich, mich halbwegs auszukennen: Man darf strenggenommen nicht mal jemanden ohne sein vorheriges Einverständnis fotografieren, wenn er wiedererkennbar ist. So habe ich es gelernt, das letzte mal erst vor einem halben Jahr, ganz offiziell von einem Anwalt. Es sei denn, so eine der wenigen Ausnahmen, die fotografierte Person ist Teil einer öffentlichen Veranstaltung (sobald diese allerdings kommerziell ist, können die Bildrechte mit dem Ticket am Eingang abgegeben werden). Dass aber selbst das Filmen politischer Veranstaltungen zu Komplikationen (und zu einer überraschend interessanten Geschichte über das Netz) führen kann, zeigt The Story of Technoviking – ja, damals galt die Fuckparade noch als politische Veranstaltung; und ja, damals gab es noch verdammt viele verfallene Häuser in Mitte. Aber das ist schon wieder eine andere Geschichte und hier ist erst mal Schluss.

The Story Of Technoviking – Kurzfassung – Deutsche UT from Matthias Fritsch on Vimeo.

 

Statusupdate

Während ich für den Kohlenstofflebenumzug gerade die ersten Kisten packe (immer noch ohne zu wissen, wohin es gehen wird), scheinen hier jetzt die letzten Kisten ausgepackt und alles fein säuberlich in die Regale eingeräumt zu sein.

Der RSS-Feed wurde ergänzt, die Weiterleitungen und die Umleitung von der .wordpress.com-Seite scheinen zu funktionieren & auch die paar Follower konnte ich wohl mitnehmen (noch habe ich keine Problemberichte empfangen…), Euch allen also nochmal ein „Herzlich Willkommen!“.

Zwei, drei andere Spielereien im Hintergrund habe ich auch schon durchprobiert & wieder abgestellt, jetzt müsste erst einmal alles reibungslos laufen – bis zum nächsten Update jedenfalls. Fehlen also nur noch neue Texte oder Bilder. Tja. Bis die zustande kommen, muss ich wohl immer mal wieder ins Archiv gehen. 2013 ist auch schon zwei Jahre her, und die Fassade dieses kleinen Häuschens am Landwehrkanal hat seitdem den einen oder anderen Neuanstrich bekommen. Veränderungen, wohin man schaut…

Das mit der Galerie lass ich glaube ich, derzeit gefällt mir die einfache Variante besser.

Fassade eines kleinen Hauses am Landwehrkanal, Nahaufnahme der Tür und der Wand daneben, beide mit Street Art Bildern verziert: Auf der Wand ein Gesicht mit dem Schriftzug Self Portrait drunter, auf der Tür eine Art Sprayer-Rotkäppchen mit dem Korb voller Farbdosen

 

Detailaufnahme der Tür: eine Art Sprayer-Rotkäppchen mit dem Korb voller Farbdosen, darüber das Gesicht eines kleinen Kindes mit dicken Kopfhörern

Schluss, Aus, Vorbei!

Hier ist jetzt Schluss. Also demnächst. Diese Seite wird schon bald nicht mehr erreichbar sein.

Ich war schon immer ein kleiner Ordnungsnerd, passt eigentlich gar nicht zu mir, trotzdem: Es hat mir z.B. wirklich Spass gemacht, irgendwann Anfang der 90er, für meine über 100 VHS-Kassetten Listen anzulegen, mit minutensekundengenauen Angaben zu den Lauflängen der Filme. Ähnliches gilt für Musikkassetten oder Bücher, da probierte ich später auch diverse  Computerprogramme aus.

Deshalb war es nur folgerichtig, dass ich irgendwann anfangen würde, mehr mit diesem Blogdingens rumspielen zu wollen, und mit dieser Internetgeschichte an sich. Also besuchte ich in den letzten, anstrengenden Wochen einen Kurs, lernte wordpress jenseits des .com (als leichten Einstieg), html&css und schliesslich typo3. Ordentlicher Wissens- und Erkenntnisgewinn, ich bin immer noch begeistert ( & etwas verärgert, dass ich das nicht schon vor Jahren gemacht habe, wie so vieles….). Interessant auch, wie viele und was für verschiedene Leute auf die gleiche Idee kamen und da mit mir in einem Raum saßen. Auf diese gesamte Veranstaltung werde ich wohl später nochmal gesondert zu sprechen kommen müssen.

Es war gar nicht so einfach, dem Umfeld das halbwegs verständlich zu erklären: Ich halte meine Existenzen so gut es geht auseinander, es gibt kaum eine handvoll Leute, die beide kennen. Von Blogs haben die meisten schon was gehört, das war es dann aber auch (& ich will ja beileibe niemanden zu etwas zwingen, so pflegen sich Freundschaften auch gleich viel zwangloser). Daher sagte ich: Internetseiten schreiben. Was wir ja auch gemacht haben. Oder, ausführlicher: Es ist wie mit dem Autofahren – kann fast jeder, genau wie sich im Internet bewegen. Und ich lerne gerade Sachen wie Öl- und Zündkerzen wechseln, maximal vielleicht noch Ölfilter, Luftfilter und Zahnriemen dazu. Und ein Radio einbauen vielleicht. So in der Art.

Und wie beim Autofahren sollte man möglichst direkt nach dem Lernen in der Übung bleiben, also – und weil es mich sowieso in den Fingern juckte – habe ich meinen Blog komplett ab- und woanders wieder ganz neu aufgebaut. Mit wordpress, eine der wenigen Sachen, die so bleiben werden (neben allen Inhalten, hoffentlich…) Ich hätte es auch gerne in typo3 oder html ausprobiert, entschied mich dann aber doch für wordpress: weil es eben erstaunlicherweise doch einige Leute gibt, die mir dort folgen, weil es meine erste Heimat in der Blogwelt war – und von Gewohntem trennen muss ich mich sowieso viel zu viel in letzter Zeit.

Natürlich bleiben noch viele Fragen offen: Wer weiss, ob ich das mühsam ausgesuchte und per css angepasste Theme in einer Woche noch gut finde? Stelle ich die Bilder weiter einfach so in die Posts ein oder doch mittels der Galerie-Spielerei (ich habe das mal bei verschiedenen alten Beiträgen ausprobiert, bin aber noch zu keinem endgültigen Ergebnis gekommen).

Und wer weiss, ob mir nicht demnächst komplett die Lust vergeht, ich auf der Strasse oder am anderen Ende der Welt lande; dann wären die Mühen der letzten Wochen für die Katz. Von wegen 1.300 Euro – Geld ist das Wenigste, was ein Blog kostet – und wenn ich nur die Hälfte des marktüblichen Stundensatzes berechnen würde, dann wären 1.300 Euro nicht annähernd die Zeit wert, die ich im letzten Monat mit diesem Projekt verbrachte. Und da sind weder Requisite noch Styling Food und Props einkalkuliert. Jeder Artikel musste noch mal „angefasst“ werden, ein paar kleine Änderungen vornehmen, Schlagwörter und Kategorien zuordnen (nicht wegen Google, sondern wegen meines eigenen Ordnungs-Listen-Faibles; wenn schon eine neue Datenbank angelegt wird, dann nutze ich das doch gleich).

Nicht zu vergessen die ganzen Bilder neu einzubinden (und wenigstens dabei versuchen, auf Barrierefreiheit zu achten)- und dann noch sämtliche Links überprüfen: Warum zur Hölle habe ich so viele Linklisten verbreitet?! Allerdings: komplett tote Links, sowohl zu Youtube als auch zu Blogs oder Artikeln oder Mediatheken, habe ich behalten, eine Art Dokumentation – von wegen „Das Internet vergisst nichts“! – nur bei geänderten urls habe ich versucht, die neuen Adressen einzubauen. Trotz der zeitraubenden Umstellung ein positives Fazit: Ich musste jeden einzelnen Text wenigstens nochmal überfliegen – und bei den wenigstens dachte ich Oh je. Eine weitere Frucht dieser Arbeit: die Texte sind halbwegs nachvollziehbar geordnet und oben im Menü in verschiedenen Schubladen abgelegt, soweit es ging.

Wahrscheinlich werde ich in der nächsten Zeit noch das eine oder andere zu feilen haben, aber soweit bin ich erst einmal zufrieden und hoffe, dass die Seite halbwegs vernünftig läuft – und, dass ich nicht allzu grossen Mist gebaut habe & sie die geneigte Leserschaft nicht zu sehr verstört. Zum Schluss die Formalia:

Ab sofort geht es weiter auf http://www.zurueckinberlin.de – für die .wordpress-Adresse ist das hier der letzte Beitrag. Das bedeutet auch, dass blogrolls, feedreader und wordpress-reader angepasst werden müssten. Nach ein paar Tagen Parallelbetrieb werde ich für die alte Seite einen Redirect anlegen, der hoffentlich auch die alten Links korrekt weiterleitet, und da ich weiter mit wordpress arbeite, hoffe ich, dass auch so wordpress-spezifische Sachen wie der Reader, Profile, Following oder die Sternchen wieder hinzubekommen sind (das entsprechende Plugin werde ich demnächst anpassen) – für Rückmeldungen zu irgendwelchen Problemen (und auch generell^^) wäre ich dankbar.

Und jetzt: Viel Vergnügen drüben, ich hab auch Schnittchen gemacht. Derweil werde ich die ganzen Artikel lesen, die ich in den letzten Wochen nur als Lesezeichen ablegen konnte. Dreistellig, schätze ich mal. Die nächste Linkliste wird wohl lang, und noch etwas dauern…

 

Gar nicht so paradox

Dass ich derzeit so wenig zum Bloggen komme, liegt daran, dass ich mich im Moment so viel mit dem Bloggen beschäftige. Darüber gäbe es viel zu berichten, nur fehlt mir die Zeit, das alles aufzuschreiben. Später. Fest steht: Es wird sich einiges ändern, auch hier.

Noch ärger steht es mit dem Fotografieren. Ebenfalls schade, aber da hoffe ich auf den Frühling – wie generell.

Nicht zu vergessen: Lesen, lesen und nochmals lesen.

Da Ostern ist, habe ich sogar etwas Überraschendes gefunden: Ein paar Bilder aus den Straßen Düsseldorfs, anno 2012.

Street Art: Zettel an einem Ampelmast: Wo gehts denn hier zum Meer? Dr. N?

 

Street Art: Zettel an einem Ampelmast: Push the Button to reset your Life!

 

Street Art: Schablonenpostiv eines Gesichtes auf einem Strommast

 

Street Art auf einer massiven Kasemattenmauer: Ein kleines Mädchen schiebt einen Puppen-Kinderwagen

 

Street Art: Ein junges Mädchen sitzt in der Hocke und pflückt eine Blume

 

Street Art Bild: Ein kleines Mädchen streckt die Zunge raus, daneben ein Graffiti: Empört Euch!

 

Street Art: drei junge Mädchen in Kleidern stehen nebeneinander wie die Orgelpfeifen

 

Bunte Fassadenmalerei an einer Schule: Wie gehst du mit Fremden um?

 

Ein ausgeschnittener Zeitungsartikel auf einem rostigen Ampelmast geklebt: Rheinbahner erwischen junge Sprayer

Grundsätzlichkeiten & Blogrollupdate

(via nerddrugs)

Nach etwas über einem Jahr und etwas über hundert Beiträgen ist es an der Zeit für ein paar Grundsätzlichkeiten, die über das About hinaus gehen, und die auch in die Leiste da oben wandern werden:

Das hier ist ein Geschenk

Ich schreibe, weil ich will. Was ich will. Es kam auch schon vor, dass ich für Geld geschrieben habe, aber das ist eine ganze Weile her & hat hier nichts zu suchen. Ich kann Geld nämlich eigentlich gar nicht leiden, ausser, um Bücher zu kaufen. Wir meiden uns, wo es nur geht. Was ich noch weniger leiden kann, sind Leute, die mit anderer Menschen Arbeit ihr Geld verdienen.

Sollte ich mir also Gedanken über eine Lizenz machen, obwohl ich allein die Idee an sich schon absurd finde? Mich wieder unwillig durch die etlichen Creative-Commons-Möglichkeiten klicken? Wieso nicht gleich eine WTFPL? Eben weil es Leute gibt, die sich nicht schämen, mit anderer Leute Arbeit ihr Geld zu verdienen. Deswegen ergänze ich die WTF-Lizenz: Rebloggt von mir aus, aber wer sich hier bedient, um damit Kohle zu machen, dem sollen die Haare büschelweise aus Nase und Ohren wachsen und in dessen Träumen soll fortan jede Nacht mit penetranter Stimme der aktuelle heftig&co-clickbait-Schund vorgelesen werden. Und nix anderes mehr, ein Leben lang. (Das ist als Vertragsgrundlage zu verstehen und zu erfüllen.)

Was soll das denn überhaupt sein?

Keine Ahnung, ehrlich, immer noch nicht. Ich schreibe hier ins Internet, nennt es, wie ihr wollt. Blog, Literatur, Tagebuch – da ist auch einiger Müll dabei, ganz sicher. Man lernt ja jeden Tag dazu.

Das mache ich einfach schon, so lange ich denken kann, das mit dem Schreiben. Als es dann irgendwann das Internet gab, eben auch da: Erst auf einer selbstgebastelten fortunecity-Seite, im letzten Jahrtausend noch, dann auf einem ganz passablen Literaturportal und einem nicht ganz so passablen Onlinemagazin, die es beide nicht mehr gibt, später irgendwann mit Erst- und Zweitblog und jetzt an dieser Stelle. Das Internet bietet großartige Möglichkeiten für Schreiber (Musiker, Zeichner, Filmer…), aber es ist nichts als ein Werkzeug: So wie die Druckerpresse und die Übertragung von Radiowellen (Nicht: Wie Verlage oder Rundfunksender).

Im Laufe der Zeit hat sich herausgestellt, dass hier gehäuft fiktive, halbwahre und halbgare Texte erscheinen; manche länger, manche kürzer,  manche jünger, manche älter. Ganz selten reimen sie sich, dafür gibt es aber öfter mal Bilder. Eine Archivseite existiert noch nicht: Der Hobbykeller, die Werkstatt, ist traditionell unaufgeräumt. Wer aber unbedingt möchte, kann am Anfang anfangen – doch lasst, die ihr eintretet, alle Hoffnung fahren!

Pseudonym, Anonym,Egalonym

Namen sind Schall & Rauch, und überhaupt: Wir sind hier nicht in Seattle, Dirk & irgendwas mit Ponyhof.

Wer ich bin, erfährt man ohnehin wahrscheinlich viel zu gut aus meinen Texten, ausserdem ist das jeden Moment ein anderer (wie der Fluss, in den man nicht zweimal steigen kann, jedenfalls nicht in denselben) – und im Zweifel kenne ich den gar nicht. Anders gesagt: Alles ist zusammengesetzt aus Fragmenten, auf die niemand den ganzen Blick haben kann, weil jeder Teil davon ist: Real life is fake life is real life. Es gab mal einen Namen für mein Alter Ego, den verkürzte ich dann, und jetzt isser gerade ganz weg. Vielleicht kommt er ja mal wieder, wer weiss das schon! Das hat nichts damit zu tun, dass ich mich irgendwie hinter der Anonymität verstecken wollen würde, ich nehme mich einfach nur nicht ernst genug. Ansonsten:

Wir können gerne darüber reden, aber:

Wer Troll ist, entscheide ich. Wie alles andere hier auch. Ein gepflegter und vor allem dem jeweiligen Thema angemessener Umgangston kann jedoch nicht schaden. Ich bin persönlich sowieso eher der höfliche (um nicht zu sagen: viel zu nette) Typ. Meistens.

Derzeit schalte ich Kommentare – wenn ich denn mag – samt und sonders per Hand frei, das kann also schon mal dauern. Genau wie eine Antwort von mir: Manchmal kann ich nicht antworten, manchmal will ich nicht, manchmal fällt mir einfach nur nichts Gescheites ein. Manchmal fällt mir allerdings leider auch was ganz und gar Ungescheites ein.

In jedem Netzwerk sitzt mindestens eine Spinne und wartet auf Beute

Mein Blog gibt es weder auf facebook, google+, twitter, ello oder wo auch immer – sondern nur hier. Das mag  total kontraproduktiv erscheinen, aber mit der Produktivität habe ich es eh nicht so. Dafür habe ich eine gesunde, ausgeprägte Abscheu vor Werbung. Ich kann Marktschreier nicht leiden, wieso sollte ich also einer in eigener Sache werden?

So spiele ich lieber Würfel mit der Göttin des Zufalls und schaue erstaunt dabei zu, wie die Wellen des Netzes immer wieder ein paar Schiffbrüchige an meine Blog-Gestade  spülen. Was nicht bedeutet, dass es mich nicht freut, wenn andere freundlich auf mich hinweisen, im Gegenteil. Auch ich bin oft so begeistert von fremden Texten, Bildern, Filmen, dass ich es gar nicht abwarten kann, sie zu verlinken.

to be continued…und immer noch gilt: Bei Fragen fragen!

Neues von der Blogroll

Zuerst wird eine neue Kategorie eingeführt: Der Ruhestand, in dem die nicht mehr aktiven oder existenten Blogs aus der Rolle landen – den Anfang macht Die Schrottpresse von pantoufle. Schon allein, um zu sehen, welche Abteilung über die Jahre mehr wächst.

Als nächstes zwei Neuzugänge, die ich so interessant finde, dass ich dort bei gesponserten Posts und manch anderem Werbemüll schon mal das eine oder andere Auge zudrücke (gerade in der Blogroll kann ein bisschen bunte Abwechslung nicht schaden, und ich kacke ja auch niemandem vor die Tür^^) : Die Blogrebellen und Sebastian Hartmanns StreetArtMag. Zur Kompensation für das immer noch vorhandene, machmal leicht nervende linke Gewissen kommt dafür das Lower Class Magazine in die Blogroll. Auch oft politisch, dabei erstaunlich vielfältig und längst überfällig  ist Tante Jays Grabbelkiste.

Für Berliner (natürlich wieder deutlich in der Überzahl) bzw. Hamburger und weltenbummlerisches Lokalkolorit sorgen ab jetzt Nante Berlin, Wirre Welt Berlin, ThorgeFaehrlich und der reisende Reporter Andreas Moser. Zu guter Letzt noch ein wenig ganz viel Indieliteratur und Pagophilas unbeschreiblich wunderbare Cool Pains, ein krönender Abschluss…

Gedanken. Gedenken.

Als ich vor Jahren mit einiger Verspätung hier in der Blogwelt ankam, gab es recht schnell ein paar Blogs, die mich eine ganze Weile begleiteten. Einige wenige davon tun das noch immer. Mal ist es der Inhalt, die Perspektive oder der Stil, die einen verweilen und wiederkommen lassen, mal die Person dahinter. Blogs und die dazugehörige Sphäre sind jedenfalls mehr, als der „Printmarkt“ je bieten konnte. Im besten Falle – und im schlechtesten auch – können sich hier verschworene Gemeinschaften bilden: Kontakte, Diskussionen oder einfach ganz viel Spass und Freude an der gemeinsamen Sache. Ähnliches gab es bei den „klassischen“ Medien höchstens im Little-Mag bzw. Fanzine-Bereich.

Von Anfang an war B like Berlin eines dieser Blogs: Zuerst waren es die Street-Art-Bilder, die dort regelmäßig gepostet wurden, die mich immer wieder vorbeischauen ließen. Aber es gab auch kleine Geschichten und Begebenheiten, über die Großststadt und das Leben in ebenjener. Nicht zu vergessen die Berlin-Zitate, zu denen pro Woche ein bis zwei neue dazu kamen, von den Großen und den nicht ganz so grossen.

Eines Tages stand dann plötzlich nur noch ein einziges Posting auf der Seite. Ein sehr erschütterndes. In den daran anschliessenden Diskussionen wurde ich (erstmals in der Blogwelt) halbwegs persönlich angegangen, weil einigen meine Meinung dazu gegen den Strich ging.  Irgendwann wurde es ruhiger, die Aufregung geriet in Vergessenheit, ebenso wie das Blog.

Und genau das ist der Punkt: Aus aktuellem Anlass machte ich mir in den letzten Tagen wieder vermehrt Gedanken  zu dieser Blogwelt und was sie so besonders macht. Es gibt unzählige Theorien und Blickwinkel dazu, täglich werden neue veröffentlicht. Viel zu oft ist dabei von Unternehmens-, Marketing- oder Wertschöpfungsmodellen die Rede. Viel zu selten von Vernetzung, Gemeinschaft oder den sozialen Implikationen, die sich aus dieser neuen Welt ergeben. Ja: Blogs (und das Internet als solches) sind die Umsetzung der Brecht’schen Radiotheorie, sie sind dieser denkbar großartigste Kommunikationsapparat, nicht nur im öffentlichen Leben, sondern auch in der Grauzone, die sich bis in das Private hinein erstreckt.

Ich weiss nicht, wie es im Allgemeinen steht mit der Erinnerung, mit der Übertragung sozialen Verhaltens aus der Kohlenstoffwelt in die des Netzes. Ich kann hier nur für mich sprechen: Ich denke immer mal wieder an B like Berlin zurück. Wenn mir gelungene Kunst im öffentlichen Raum ins Auge springt, weil ich dort – bevor es all die flickr- tumblr- und Hipsterstreams gab – eine großartige Sammlung und Würdigung derselben entdeckte. Oder wenn ich in einem Buch oder Text ein treffendes Zitat zu unserer Stadt finde.

Genau das passierte, als ich in den letzten Wochen meine Bahnfahrten mit der turnusgemäßen Lektüre von Fausers Erzählungen verkürzte. (Wo wir schon beim Privaten sind: Er ist das Bild in meinem Avatar. Es dient also nicht primär der Identitätsverschleierung, sondern ist vielmehr eine Hommage.) Bei nicht wenigen Stellen dachte ich: „Das hätte gut auf B like Berlin gepasst“. Ich nahm mir vor, die entsprechenden Passagen rauszuschreiben, die passendsten davon vielleicht mal zu veröffentlichen, so wie es auf B like Berlin früher geschah. Und so soll es sein. Im Andenken an ein Blog, das meine ersten Gehversuche in dieser fremden Welt begleitete. Weil wir mehr sind als Marktmodelle. Weil – so platt oder pathetisch es klingen mag – uns auch der Umgang miteinander ausmacht. Und dazu gehört es auch, der Toten zu gedenken.

[alle Zitate aus der oben verlinkten Ausgabe]

Altmann setzte sich in seinen Audi und fuhr durch den ersten richtigen Schnee des Winters, in dem selbst Berlin wie eine Märchenstadt aussah. Ach, Berlin. Altmann liebte die Stadt. Er liebte nicht nur das Berlin bei Nacht oder das Museum Berlin, nein, er liebte Berlin als politische Metapher. Wo sonst als in Berlin war der dritte Weg zu finden, wo sonst waren auch nur seine Umrisse, seine Perspektiven zu erkennen.

Wem hier die Augen aufgingen, der musste zwangsläufig zur Politik kommen – und die einzig noch mögliche, noch denkbare, noch ausstehende Politik war der dritte Weg. Und selbst, dachte Altmann, als er über den schneebestäubten Kurfürstendamm Richtung Gedächtniskirche fuhr – vorbei an der Schaubühne, an den lichtdurchfluteten Restaurants, den Buletten-Palästen, Kinos und Cafés, vorbei an der Berliner Uhr, deren bonbonfarbene Würfel erst im Schneewirbel richtig zur Geltung kamen, vorbei an den Luxuspuffs und den Würstchenbuden, an den langbeinigen Huren im Nerz und den pockennarbigen Asylanten mit den Heroinbriefchen im Plastikstiefel – und selbst, dachte Altmann mit einem Anflug von Bescheidenheit, selbst wenn das alles nicht wäre, bliebe Berlin immer noch die einzige Stadt, die vierundzwanzig Stunden lang die Karten mischt – verlier oder gewinn, aber bleib im Spiel.

In Schöneberg schlug seine Stimmung um. Er fuhr langsam zwischen den Streifenwagen, den Zivilfahndern, den schrottreifen Büchsen der Freaks, den Taxis und Zuhälterlimousinen, den Motorrädern mit ihren Lederreitern und den Fahrrädern mit den verträumten blassen Studentinnen in ihren Regenpelerinen vom Türkenmarkt, und seine Stimmung nahm sofort die schalen Farben der Umgebung, ihre Brüche und Ruinen auf und setzte sie um wie in einem chemischen Prozeß. Altmann störte jetzt der widerliche Geschmack des Klaren, der mit dem Menthol eben doch nicht wegzukriegen war. Schöneberg deprimierte ihn. Verkommenheit hinter Stuckfassaden, dazwischen die Klötze der Mietburgen und Versicherungen. Da war Kreuzberg entschieden besser, Kreuzberg war schon der dritte Weg. Schöneberg war verlottert wie ein Fin-de-siècle-Bordell, wo das Rattengift sich allmählich gegen das Parfüm durchsetzt. In keiner westdeutschen Stadt hatte Altmann dieses Gefühl scharf abgegrenzter Bezirke, entgegengesetzter Perioden und Desasterzonen gehabt; freilich war er auch schon zu lange in Berlin, um sich in westdeutschen Städten noch wirklich auszukennen. (Der dritte Weg [1983] S.273f)

 

Sie sieht mich dann nur an mit ihrem sanften Lächeln und richtet mit ihren langen Fingern die Blumen in der Vase oder schenkt mir etwas Wein nach und sagt dann, dass sie noch irgendwohin will, mitten in der Nacht, meistens in eine dieser verlausten Kreuzberger Kaschemmen, wo alle zusammenhocken, die sich erfolgreich davor drücken, erwachsen zu werden. Ich geh nur selten mit. Für Profis fängt der Tag früh an. […]

Neben ihm stand eines von diesen Mädchen, die ihr Leben lang in Holzclogs rumlaufen, Halfzware drehen, den sie mit der taz in einem Jutesack herumtragen, und davon erzählen, daß die Stadt jetzt auch noch die Mittel für ihre Tanztherapie gestrichen hat. (Der Mann, der an Gedichte glaubte [1984] S.341f)

 

Ich bin auf dem Ku’damm auf und ab spaziert im Schub mit den Nichtstuern, Besoffenen, Fixern, Strichern, Touristen, Skateboardianern, Nutten, Nackten, Pakistanis, Dackeln, Doggen, Spandauern, Schönen und Schicken. Ich habe mehr Besoffene herumtorkeln und hinfallen und daliegen gesehen als je irgendwo, außer in Dublin am Zahltag. Es war noch heißer geworden und die meisten Bummler hatten etwas Flackerndes in den Augen, ein Irresein. Es wurde auch demonstriert und agitiert, es gab Hungerstreiks mitten auf dem Bolevard vor den Bulettenpalästen, für Frieden und gegen Abtreibung, oder vielleicht habe ich das missverstanden. Ich hatte gelesen, daß es jetzt 4,7 Milliarden Menschen gab. Man merkte es. ( Die schöne Helena [1984] S.359f)

München zwar, aber doch ein (wie ich finde) würdiger Abschluss:

Max rauchte und sah durchs Fenster auf die Straßen. Prächtige Stadt. Reich, korrupt und immer noch schön. Er wohnte seit zehn Jahren hier und liebte die Stadt trotz aller Verrohungen und Verwüstungen wie am ersten Tag. Vielleicht liebe ich sie sogar mehr als damals, dachte er. Mit Städten ist es anders als mit Frauen. Frauen bringen dich zuerst ganz hoch, ganz ins Paradies, und dann holen sie dich langsam und unter Schmerzen und Tränen und Flüchen und Qualen wieder runter in den Alltag, in den gewöhnlichen Schrecken der zu weich gekochten Eier, der Eifersucht, der gepanzerten Lippen, der Spinnweben um die Augen, nachts wenn die grauen Bäche fließen, vor dem Hahnenschrei. Aber Städte waren anders, sie waren aus Stein und Beton und Asphalt und Stahl, aus Erde und Maschinen und Himmel, aus großen Gefühlen, aus Dreck und Gewalt und Glück und Tod, aus den Millionen, die nachts ihre Angst betäubten und am Tag wieder die Fresse hinhielten und ihre Schulter ans Rad. Städte waren das Licht und die Künstlichkeit, das Beben der Straßen und die Musik, die aus den Mauern weinte. Städte konnte man lieben, wenn man die Menschen nicht mehr lieben konnte. (Das Glück des Profis [1982] S.196)

 

Hasenfest, eher nicht so froh…

…oder so ähnlich.

Nur eine kurze Wortmeldung, so zwischen den Feiertagen: Heute gilt ja ganztägig das Tanzverbot. Dem stell ich einfach mal die Rezension zu einer Abhandlung über das Konzept „Tanzwut“ im Mittelalter entgegen. Weil ich es spannend & passend finde.

Nicht ganz so dolle sind die Sachen, die manchmal im Internet passieren. Ja, es gibt inzwischen auf alle Fragen dazu eine Antwort. Sicher, viele Probleme, Missverständnisse, Konflikte und Auseinandersetzungen haben ursächlich nichts mit dem Medium zu tun – Allzumenschliches, meist. Wer das ohne Netz haben will, kann ja mal in diversen linken Zusammenhängen (in rechten wahrscheinlich auch, da kenn ich mich nicht so gut aus) ähnlich viel Zeit und Diskussionen verbringen; Plena statt Kommentarspalten und Foren. Trotzdem: Nicht ohne Grund gibt es das unbestimmte Gefühl, hier unbedarfter, mithin geschützter agieren zu können. Es ist nun mal etwas anderes, ob der Geheimdienst jeden Tag vor der Tür steht und dein Tagebuch durchlesen möchte, oder ob er das über die Telefonleitung tut. Irgendwie so.

Was ich damit sagen will: Ich wollte jetzt eigentlich gar nichts schreiben. Höchstens wieder einen alten Text aus der Mottenkiste kramen. Weil ich immer noch nicht genau weiss, wo ich hinsteuere – die Titelerklärung zum Blog lieferte ich ja, und das war anfangs der Sinn dieser Veranstaltung hier. Keine Angst, es geht mir erstaunlicherweise überaus knorke. Ich schreibe viel, so viel wie lange nicht. Ich verbrachte wunderbare Tage bei wunderbaren Menschen im wunderbaren Hamburg. Ich lese viel. Nur hier wäre eben kurzzeitig Schmalhans Küchenmeister gewesen.

Wenn nicht die Sache bei tikerscherk drüben passiert wäre. Wobei ich natürlich nicht weiss, was passiert ist; nur das, was sie selbst dazu schrieb. Und dass mich das sehr getroffen hat, weil sie meine allerliebste Lieblingsbloggerin ist. So. Wenn es jemand nicht verdient hat, Opfer von so einem Mist zu werden, dann sie. Mich erinnerte das an die FakeGeschichte, die mich auch sehr bewegt hat, aus der Ferne. Krasse, interessante, verstörende Geschichte, dachte ich damals. Schlimm, dass so etwas überhaupt passiert – und schlimmer, dass es jetzt jemanden traf, den ich auf eine bestimmte Art glaube, zu kennen. Wenn man was zu Ostern wünschen kann, dann wünsche ich der hochgeschätzten tikerscherk, dass sie über all das Nachdenken, Reflektieren und Zweifeln irgendwann dahin kommt, wieder solche Texte schreiben zu können. Sonst nichts.

Und deshalb musste ich meine Blogroll akut anpassen und hab dabei gleich einen Kalender rechts eingefügt. Die großen Würfe folgen später. Vielleicht. Alles weitere & besser verständlichere, wahrscheinlich, steht drüben beim kiezneurotiker.

 

Ein Stöckchen

Bisher sind diese Stöckchen ja immer an mir vorbei gegangen. Aber jetzt wirft mir tikerscherk eins zu. Und ihr kann ich das nicht abschlagen. Nun denn:

1.Glaubst du an ein Leben nach dem Tod? Oder wünschst du es dir? Warum?

Absolut nicht. Also glauben. Wünschen wohl schon manchmal, rein aus Neugier.

2. Was verbindest du mit dem Wort „Heimat“?

Puh. Zuerst Kindheit. Da könnte ich ein Buch drüber schreiben. Wollte ich auch mal, das sollte allerdings „Heimaten“ heissen. Ich hab da nämlich ein paar von, was eigentlich ganz gut ist. Patchwork-Heimaten sozusagen. Kann ich generell empfehlen, wenn man die ei(ge)ne beginnt, zu ernst zu nehmen.

3. Wenn du noch einmal anfangen könntest, welche Entscheidung würdest du rückgängig machen oder anders treffen?

Sehr viele. Die meisten davon aber auch wieder einfach nur aus Neugier. Hätte ich andere Entscheidungen treffen sollen, bereue ich welche? Klar. Ich habe  bestimmte Menschen verletzt und mit anderen zu wenig Zeit verbracht. Und hätte mit dem Hund das eine mal viel früher zu dem anderen Arzt gehen sollen.

4.Wie würdest du diesen Satz beenden: Pädophile sollten…

… zur Charité gehen, da gibt es ein Projekt. Und ansonsten von der Gesellschaft als das betrachtet werden, was sie sind: Menschen mit einer abweichenden Sexualität, die ausgelebt anderen Menschen ungeheuer schadet. Ich halte wenig von der medialen Behandlung des Themas, aber ich verstehe durchaus den Mechanismus dahinter. Es braucht „Monster“, auf die gezeigt werden kann. Wäre ja auch nicht spektakulär, und nicht mehr so „fremd“, wenn sachliche Aufklärung verbreitet werden würde. Nicht zu vergessen, dass viel zu oft Machtausübung, Frustration oder andere „Abartigkeiten“ Ursache von Missbrauch und Misshandlungen sind. Ich kann aber gut nachvollziehen, wenn Betroffene oder Menschen aus deren Umfeld auf diese Frage „Eier abschneiden und aufhängen“ antworten. Nur dass „die Medien“ eben keine Betroffenen sind.

5. Und diesen: Sigmar Gabriel sollte..

…die Fresse halten.

6. Und zuletzt: Alice Schwarzer sollte…

…auch die Fresse halten.
7. Wenn du an einen Toten denkst, welche seiner Wünsche erscheinen dir wichtiger: die Erfüllten oder die Unerfüllten (angelehnt an Max Frisch)

Hm. Was ist wichtig? (angelehnt an Selig…) Ausserdem: Auch erfüllte waren mal unerfüllt. Werden also Wünsche durch ihre Erfüllung wichtiger oder unwichtiger… Ich glaube, das kommt wirklich ganz auf den Wunsch an. Erfüllte Wünsche können dich glücklich sterben lassen, unerfüllte am Leben halten, eventuell unglücklich. Schwierig.

8. Stimmt der Satz: Jeder ist seines Glückes Schmied?

Absolut nicht. Umgekehrt wird ein Schuh draus: Die Einflüsse, die wir nicht in der Hand haben, sind viel wirkmächtiger. Das passt uns nur nicht, weshalb wir uns selbst die verrücktesten Sachen vormachen. Oder unser Gehirn.

9. Was bedeutet für dich Gerechtigkeit?

Eine Utopie, die nie erreicht werden kann, ohne die es aber nicht geht. Wenn jeder wirklich nach seiner Facon glücklich werden kann.

10. Wie beurteilst du die Rolle der Kirche in unserer Gesellschaft? Und wie die der Gewerkschaften?

Ich wünschte, wir bräuchten sie nicht, beide. „Die Kirche“ geht mir gewaltig auf den Senkel, da bin ich radikaler Laizist. Helfen sie Armen und Bedüftigen? Klar. Dafür sollte es aber keine Kirche brauchen. (Sowohl die Menschen als auch die Mittel sind ja da). Und es wiegt ausserdem nicht den Riesenhaufen Mist auf, den sie machen.

Bei den Gewerkschaften sieht das ähnlich aus: Ihr Heiligstes ist das Lohnarbeitsverhältnis. Und solange sie um dieses Kalb rumtanzen, stehe ich weiter am Rande. Sicher waren sie historisch wichtig, sicher gibt es kluge Köpfe in ihren Reihen, sicher bieten sie für einige davon eine gewisse Nische mit Artenschutz. Und trotz häufigen Einknickens wären wir ohne sie schlechter dran – trotzdem, ich hatte das grade schon bei Charlie geschrieben: Sie sind nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Systems bzw. Problems.

11. Wenn du ein Buch wärest, was für ein Buch wärest du dann?

Ein staubiges, zerfleddertes, das in der Ecke eines verlassenen Treppenflures liegt. Mit sieben Siegeln.

[Muss ich das jetzt weiterschmeissen oder darf ich das untätig behalten? Wo ist überhaupt das Stöckchen-Regelbuch versteckt? Wieso heisst das Stöckchen? Weil das Blog von log kommt? Hat unser Maat schief geladen? Fragen über Fragen…]

Wenn alte Männer die Welt nicht mehr verstehen (II)

Jegliches hat seine Zeit: Kürzlich schrieb ich über Günther Wallfraff, dass er wohl nicht mehr in diese passt. Jetzt bin ich durch Fefe auf einen Videoschnipsel mit Noam Chomsky gestossen. Chomsky ist ein Grosser, keine Frage. Auch wenn seine lingustischen Theoreme – das ist schliesslich sein Fachgebiet – inzwischen überholt oder falsifiziert wurden, hat er doch, ähnlich wie Wallraff, wertvolle Beiträge für den gesellschaftlichen Diskurs beigesteuert. Die Berufsbezeichnung für beide wäre mit „Kritischer Geist“ wohl am besten erfüllt.

Fefe schreibt nun, mit dem Hinweis auf einen Artikel, der sich auf ein nicht mal 4-minütiges Youtube-Video bezieht:

Noam Chomsky erklärt das Internet.

In an interview uploaded to YouTube, Noam Chomsky answers the question “[d]oes the generative potential of the internet help to form new kinds of social or cultural associations” by saying that he knows of “actual cases” of “adolescents who think they have 500 friends, because they have 500 friends on Facebook, but these are the kinds of friends who, if you say, ‘I had a sandwich,’ they ask ‘Did it taste good?’”

Mir persönlich fehlen da noch Katzenbilder, aber ansonsten ist das doch eine akkurate Zusammenfassung der Lage, meint ihr nicht?

Soooo falsch ist das alles gar nicht, was der Herr Chomsky da erzählt. Früher war alles besser, vor acht Wochen zB war noch Sommer. Allerdings möchte ich hinzufügen: Wenn im Internet jemand – speziell „adolescents“ –  erzählt, er hätte ein Sandwich gehabt, würde ich als Nachfrage erwarten „Who were the guys?“. Oder, um Chomskys Bemühungen um die englische Sprache zu würdigen, „With whom?“.

Nachtrag und einige Worte zur Blogroll

Nach langem Zögern und dem Fehlen einer besseren Alternative habe ich mich also entschlossen, doch wieder ein Blog aufzumachen. Und dann, beim Aufarbeiten der als Lesezeichen abgelegten Artikel, beim Suchen nach verlinkenswerten Texten, kommt mir das hier über den Weg gelaufen. Gut, im Juli hatte ich ganz andere Sorgen, aber jetzt ärgere ich mich doch ein wenig, diesen Beitrag nicht früher entdeckt zu haben.

Wie viele Blogger würden sich sofort eine Software des Verfassungsschutzes, der NSA oder des Geheimen Weltamtes für totale Unterdrückung installieren, wenn man ihnen nur erzählte, dass diese Software Besucher auf ihr Blog bringt; Besucher, die Werbeeinnahmen und gefühlte Bedeutung mit sich bringen? Wie viele Blogger dokumentieren im Moment nur ihre dumme Gleichgültigkeit, wenn sie ihr Blog zu einem Vehikel für die Reklameklickgroschen machen und diesem Zweck das Erfordernis weniger erfreulicher und weniger leicht verdaulicher Mitteilungen unterordnen.

Genau das. Ebenso interessant wie der Artikel selbst sind die sich anschliessenden Kommentare – es sind nur 20, während jeder Hirnfurz des Herrn Lobo ein Zehnfaches an Kommentaren bringt, aber das nur nebenbei. Jedenfalls drehen sich die Wortmeldungen hauptsächlich um technische Sachverhalte, es sind Vorschläge, wie die „Großen“ unter den Social-Media-Anbietern umgangen werden können. Und genau das ist charakteristisch für viele ähnliche Diskussionen in der „Netzgemeinde“: Es wird an den Symptomen rumgedoktert, technische Alternativen werden diskutiert, aber die Ursachen werden nicht oder kaum angegangen.

Das Problem hat einen Namen: Kapitalismus. So einfach ist das, und dann doch wieder nicht. Ich bin weit davon entfernt, zu glauben, dass mit der Abschaffung dieser menschenverachtenden Wirtschaftsordnung das Paradies auf Erden erschaffen werden würde. Im Gegenteil: Inzwischen bin ich desillusioniert genug, um den Menschen und sein Geltungsbedürfnis, seinen Drang nach Wettbewerb und das „Sich mit anderen messen müssen“ als Grund allen Übels ausgemacht zu haben, wobei der Kapitalismus einfach nur die passende zeitgemäße Hülle ist. Früher waren das halt Kriegszüge gen Russland oder Karthago. Der Pessismismus des Verstandes ist bei mir also klar vorhanden, mit dem Optimismus des Willens hapert es allerdings noch etwas.

Bevor ich zu sehr abschweife: Es geht auch anders. Facebook beispielsweise, gern herangezogen als Inkarnation des Bösen (Pflichtzitat hierbei ist das nur zur Hälfte wahre „If you’re not paying for the product, you are the product“), als das kaptialistische Vorzeige-Unternehmen im digitalen Zeitalter schlechthin, und seinen nicht minder hässlichen Geschwistern Google und Apple kann – selbst im Rahmen des real existierenden Kapitalismus – das Beispiel Wikipedia entgegen gestellt werden. Das könnte fast Hoffnung geben, wären da nicht die Eitelkeiten der beteiligten Menschen, die diese Hoffnung wieder zunichte machen.

Würde man objektiv (haha, schon klar) versuchen, die 80er-Jahre-BRD mit der heutigen zu vergleichen, wäre letztere dann nicht der DDR mit ihrer Gesinnungsdiktatur und Überwachungsmaschinerie viel ähnlicher als dem Mutterland des Grundgesetzes? Aber das sind Äpfel und Birnen, noch dazu in unterschiedlichen Reifezuständen. Ganz zu schweigen von dem gewaltigen Dreck, den sich auch der gesamte freiheitliche Westen im Kalten Krieg an den Stecken gepappt hat: Ulbrichts „Es muss demokratisch aussehen….“ passt hier genauso gut, nur halt unter umgekehrten Vorzeichen – es wurde alles getan, damit die Kommunisten nicht an die Macht kommen, egal ob demokratisch oder nicht.

Was also werden wir unseren Enkeln erzählen? Wie rechtfertigen wir oder unsere Apologeten uns in der Zukunft, wenn in dieser eine Star-Trek-ähnliche Utopie ohne Geld und kapitalistischer Verwertungslogik verwirklicht wäre? Nun, man kann Trekkie sein und trotzdem böse, wie der NSA-Chef mit seiner Kommandozentrale beweist (natürlich gibt es „böse“ genausowenig wie „gut“).  Star Trek kann – wie alles – nicht nur in eine Richtung gedeutet werden: Als gutwillige Meritokratie, wie Fefe es unlängst tat, oder als Verschwörung des Kommunisten Roddenberry zur Aushöhlung der Grundfesten der US-Gesellschaft, ob man das jetzt gut findet oder nicht.

Werden die kritischen Stimmen von Ingo Schulze, Konstantin Wecker oder Georg Schramm inzwischen besser gehört? Müssten es nicht viel mehr Stimmen sein? Sind es nicht eigentlich auch viel mehr Stimmen, die einfach nur im Rauschen untergehen? Keine Ahnung.

Um noch auf den zweiten Teil der Überschrift einzugehen: Ich schrieb, dass ich mich in der Gesellschaft der Blogroll wohlfühle. Natürlich ist auch das nur ein Kompromiss, nichts und niemand deckt sich zu hundert Prozent mit meinen Ansichten. Ich schliesse mich zum Beispiel dieser Kritik am Kiezneurotiker an – und lese ihn trotzdem gern. Ebenso kann ich – unter anderem wegen den weiter oben angeführten Kapitalismuskritik-Versatzstücken – nichts mit dem sich dem Antikapitalismus (vorerst) verweigernden Text von mspr0 anfangen, trotzdem folge ich gerne seinen Gedanken, um selbst auf welche zu kommen. Und deswegen hab ich die Blogroll noch etwas erweitert: Um den Radwechsel, um den Duderich und um das Narrenschiff. Weitere werden folgen, hoffentlich.

Da bin ich…wieder

Ein paar Worte, um Verfasser und Blog kurz vorzustellen:

Studierte mal. Jetzt nicht mehr.

Schrieb mal ein semi-erfolgreiches Blog voll. Jetzt nicht mehr.

War mal verliebt und verlobt. Jetzt nicht mehr.

Wohnte mal woanders als in Berlin. Jetzt nicht mehr.

Hatte mal Illusionen und Hoffnung. Jetzt nicht mehr.

Ansonsten: Blogroll anschauen, das ist die Nachbarschaft, in der ich mich wohlfühle.