Nichts von Bedeutung

Vieles ist geschehen, kaum etwas hat sich verändert.
Es wird noch dauern, dafür die richtigen Worte zu finden.
Erfahrungen wurden gemacht, immerhin.
Und Bilder, wenn auch nur wenige:

 

Kräne am Hamburger Hafen
Februar, Hamburg

Brandruine des Goldenen Pudel in Hamburg mit Transparent
Februar, Hamburg, viel zu viele Häuser brannten in diesem Jahr

Blick von der Steilküste auf die Ostsee herab
April, Rügen, keine adäquaten Worte für ein paar grossartige Tage

Der Kreidefelsen auf Rügen
April, Rügen, nicht nur der Baum stand auf der Klippe auf der Kippe

Sonne kurz vorm Untergang über der Müritz
Juni, Müritz

Die Sonne blinzelt durch das Gras an der Müritz
Juni, Müritz, geblendet…

Nachgereicht: Expeditionsbilder

Nun, das Zeichen kam nicht, dafür soeben die Absage für die Wohnung, die ich wirklich gerne bezogen hätte. Immerhin hat sich dadurch der Titel des letzten Beitrags bewahrheitet.

Mit den Bildern, die auf den Erkundungstouren entstanden sind, bin ich auch nicht wirklich zufrieden, aber was solls: ich nehme, was ich bekomme; das sollte ich mir generell zum Motto machen (und darauf hoffen, dass ich überhaupt etwas bekomme).

Zuerst ein Nachtrag zu dem letzten Bilder-Posting – noch einmal Daily Smile:

Street Art Daily Smile: Paste up eines Fallschirmspringers in Häftlingskleidung mit einem karierten Fallschirm

Auf einer Expedition sind Wegweiser immer gerne gesehen:

Ein auf eine Matratze gemalter Wegweiser auf einer Brücke in Kreuzberg

 

Ansonsten steht auf Hauswänden auch oft, wo es langgeht und was gerade angesagt ist:

Schriftzug an einer Häuserwand: Revolution ist die einzige Lösung

Schriftzug an einer Hauswand, oben unter dem Dach: Rotfront

Graffiti an einem verrammelten Ladenfenster: We fucken love the Crisis. - Greece

An anderen Wänden gibt es Kunst statt Text:

Street Art an einer Hofeinfahrt: Eine Frau mit Basecap, Sonnenbrille und Dreieckstuch vor dem Mund, auf Rollschuhen

Wandbild an einer Brandmauer mit weisser Farbe: Silhouette einer Frau, die ein Baby in der Hand hält

Diverse Graffitti an einem Haus/Geschäftseingang, unter anderem auch ein Wasserhahn, aus dem Wasser läuft

Und manchmal sind sie auch einfach nur so für sich allein schön, die Wände, mit etwas Grünzeug garniert:

Rückseite eines Wohnhauses, komplett eingewachsen und grün, die schmale Seite des Hauses ist blau, davor eine Brachfläche

Wobei: Schönheit kann natürlich auch rau sein…

Eine Hausfassade an einer breiten Strasse, die unteren Fenster sind mit Holz vernagelt, über die Hausfront ein Graffiti mit einem eher abstrakten Gesicht und dem Schriftzug "Schönheit ist rauh"

Zum Schluss: Hier hätte es sein können…

Ein Mülleimer mit mehren Aufklebern amn einem Kanal, im Hintergrund eine Brücke

Statusupdate

Während ich für den Kohlenstofflebenumzug gerade die ersten Kisten packe (immer noch ohne zu wissen, wohin es gehen wird), scheinen hier jetzt die letzten Kisten ausgepackt und alles fein säuberlich in die Regale eingeräumt zu sein.

Der RSS-Feed wurde ergänzt, die Weiterleitungen und die Umleitung von der .wordpress.com-Seite scheinen zu funktionieren & auch die paar Follower konnte ich wohl mitnehmen (noch habe ich keine Problemberichte empfangen…), Euch allen also nochmal ein „Herzlich Willkommen!“.

Zwei, drei andere Spielereien im Hintergrund habe ich auch schon durchprobiert & wieder abgestellt, jetzt müsste erst einmal alles reibungslos laufen – bis zum nächsten Update jedenfalls. Fehlen also nur noch neue Texte oder Bilder. Tja. Bis die zustande kommen, muss ich wohl immer mal wieder ins Archiv gehen. 2013 ist auch schon zwei Jahre her, und die Fassade dieses kleinen Häuschens am Landwehrkanal hat seitdem den einen oder anderen Neuanstrich bekommen. Veränderungen, wohin man schaut…

Das mit der Galerie lass ich glaube ich, derzeit gefällt mir die einfache Variante besser.

Fassade eines kleinen Hauses am Landwehrkanal, Nahaufnahme der Tür und der Wand daneben, beide mit Street Art Bildern verziert: Auf der Wand ein Gesicht mit dem Schriftzug Self Portrait drunter, auf der Tür eine Art Sprayer-Rotkäppchen mit dem Korb voller Farbdosen

 

Detailaufnahme der Tür: eine Art Sprayer-Rotkäppchen mit dem Korb voller Farbdosen, darüber das Gesicht eines kleinen Kindes mit dicken Kopfhörern

Nach dem Umzug ist vor dem Umzug

Ohne viele Worte geht es hier nun anschluss- und hoffentlich reibungslos weiter. Bleibt zu wünschen, dass der andere Umzug ebenso sanft vonstatten gehen wird. Ich habe da allerdings so meine Zweifel – andauernd werde ich daran erinnert, was mir alles fehlen wird, sollte ich den Kiez verlassen müssen. Die Tomaten auf dem Balkon fehlen mir jetzt schon, angesichts der Umstände verzichtete ich darauf, sie für ein paar Wochen und vielleicht zweieinhalb unreife Früchte überhaupt erst zu pflanzen…

Die beiden werde ich auch vermissen, wie sie da thronen über den Hipstermassen, wenn diese sich in die U1 drängeln, die jetzt wieder U12 heisst und mit den blöden lauten quadratischen U2-Waggons fährt.

zwei Schaufensterpuppen stehen hoch oben in einem bunten, verwinkelten Glas-Stahl-Treppenaufgang

 

Erst vor Kurzem ist mir Daily Smile aufgefallen: mein neues Lieblings-Kiez-Street-Art-Projekt. Wird mir auch fehlen, wie er oder sie immer wieder die vorhandene Substanz mit in die Kunst einbindet….

Street Art paste up: Ein Propellerflugzeug mit fröhlichem Piloten darin, der Propeller ist ein Lüftungsschacht o.ä. an der Hauswand

Street Art Paste Up: Ein Comicmännchen mit gestreifter Sträflingskleidung rennt weg von einem vergitterten Fenster und zeigt diesem eine lange Nase

Street Art Paste Up: Eine Bewag-Plakette dient als Jojo, der von einer Hand/den Fingerspitzen gehalten und bewegt wird

Street Art Paste Up: Diesmal dient die Bewag-Plakette als Einrag, auf der eine Art Comicclown jongliert

 

Woanders – ich muss mich ja langsam mal in anderen Kiezen umschauen – werden Türstehergesichter großflächig an die Hauswände gemalt, weil ein Jeanshersteller seine Reputation auffrischen wollte:

Gesicht

 

Ansonsten: Im Fernseher nur Müll.

Ein alter Röhrenfernseher liegt neben einer Strassenlaterne, die Röhre ist zerbrochen und im so entstehenden Hohlraum hat sich einiger Unrat angesammelt

 

Früher war halt alles besser, vor zwei Tagen war zB. noch Wochenende…

Werbeplakat für Nenas Oldschool-Album, auf einem Betonsockel stehend, auf dem Sockel ein Zitat von Jane Fonda: Wir gehen mit der Welt um, als hätten wir noch eine zweite im Kofferraum

 

Die Nena-Tickets für das Konzert im SO36 sollen ab 79 Euro gekostet haben. Ziemlich oldschool…und dass sie die da überhaupt reingelassen haben. Dann doch lieber den Kopf zerbrechen über das Jane-Fonda-Zitat, und damit ist auch schon wieder Schluss:

Street Art an einer Mauer: Eine auf einem Würfel sitzende Person, die als Kopf eine Art Blüte hat

 

 

 

Gar nicht so paradox

Dass ich derzeit so wenig zum Bloggen komme, liegt daran, dass ich mich im Moment so viel mit dem Bloggen beschäftige. Darüber gäbe es viel zu berichten, nur fehlt mir die Zeit, das alles aufzuschreiben. Später. Fest steht: Es wird sich einiges ändern, auch hier.

Noch ärger steht es mit dem Fotografieren. Ebenfalls schade, aber da hoffe ich auf den Frühling – wie generell.

Nicht zu vergessen: Lesen, lesen und nochmals lesen.

Da Ostern ist, habe ich sogar etwas Überraschendes gefunden: Ein paar Bilder aus den Straßen Düsseldorfs, anno 2012.

Street Art: Zettel an einem Ampelmast: Wo gehts denn hier zum Meer? Dr. N?

 

Street Art: Zettel an einem Ampelmast: Push the Button to reset your Life!

 

Street Art: Schablonenpostiv eines Gesichtes auf einem Strommast

 

Street Art auf einer massiven Kasemattenmauer: Ein kleines Mädchen schiebt einen Puppen-Kinderwagen

 

Street Art: Ein junges Mädchen sitzt in der Hocke und pflückt eine Blume

 

Street Art Bild: Ein kleines Mädchen streckt die Zunge raus, daneben ein Graffiti: Empört Euch!

 

Street Art: drei junge Mädchen in Kleidern stehen nebeneinander wie die Orgelpfeifen

 

Bunte Fassadenmalerei an einer Schule: Wie gehst du mit Fremden um?

 

Ein ausgeschnittener Zeitungsartikel auf einem rostigen Ampelmast geklebt: Rheinbahner erwischen junge Sprayer

Überbleibsel

Es ist ja so: Fängt ein Text mit „Es ist ja so“ an, dann erwartet man erst mal eine Ansage, etwas Konkretes. Tja.

Und ganz ähnlich ist das mit dem neuen Jahr und den ganzen Vorhaben, die man vor hat: Erst mal den Kater auskurieren, ausschlafen, halbwegs wieder in den Alltag zurückfinden, der genau der ist, den man dachte, mit dem vergangenen Jahr hinter sich gelassen zu haben. Tja.

Eigentlich schleppt man Jahr um Jahr mehr Ballast mit sich rum, und deshalb wird es Zeit, einiges davon loszuwerden. Neuer Ansatz, zwei Fliegen/eine Klappe: Eine Linkliste, willkürlich kombiniert mit den Analogfoto-Überbleibseln des letzten Jahres. Der Film war schon so lange im Apparat, dass sogar noch ein Gruß von der Hamburger Dachterasse drauf ist. Dabei ist diese Reise schon länger her, als noch Zeit vergeht bis zur nächsten, wenn alles klappt. Egal, Katzencontent:

Katzenstatue sitzend, ihr wurde ein Hut aufgesetzt

Beginnen wir mal ausnahmsweise am Anfang: Dort standen bei vielen westdeutsch sozialisierten Menschen oft drei Fragezeichen. Also: Die drei Fragezeichen. Sowas gab es bei uns im Osten natürlich nicht, da gab es nur Ausrufezeichen. Und im Satz, den sie beendeten, stand meist irgendwas von Sozialismus und Sieg und Solidarität. Trotzdem würde ich, hätte ich Kinder, wohl die gleiche Wahl treffen, die bei Perspektiefe mit all ihren Fährnissen anschaulich geschildert wird (& was für ein schöner Titel!). Vor allem, wenn ich so höre, was die Kinder in meinem Umfeld so hören. Meist geht es um reiche Mädchen und Pferde. Immerhin kann einer der Kleinen noch den halben Tag (wortwörtlich) total begeistert mit dem Mobiltelefon rumlaufen und die Egon-Olsen-Titelmelodie kreischend mitbrüllen.

Auf Die drei Fragezeichen stiess ich viel später und aus zweiter Hand, sozusagen: Diejenigen, die damit gross wurden, frönten ihrer Begeisterung für die Kinderhörspielkassetten ja grade auch als Studenten ausgiebig. Das machte sich eine Theatertruppe aus Wuppertal zunutze und füllte die Hallen quer durch die Republik. Selbst mit fehlendem Hintergrundwissen und der falschen Sozialisation war das stellenweise ganz unterhaltsam. Doch auch – wo wir schon mal beim Thema sind – aus ganz anderen, noch seltsameren Jugenderinnerungen mit zweifelhaftem kulturellen Background lässt sich ein krudes Theaterprojekt machen: Katholische Sexualaufklärung aus den Siebzigern? Warum nicht, ab auf die Bühne! Dorthin gehört auch Gregor Keuschnigs Schmierenkomödie Zapfenstreich, die es bisher nur in Textform gibt.

Weisse Wände, in einer Ecke hängt unter der Decke eine Maske, im Vordergrund ist ein Rehgeweihzack zu erkennen, darunter ein Aufkleber "Old Europe"

Ein harter Schnitt, da müssen wir jetzt durch: Bei den Nachdenkseiten wurde heute eine Leserin mit der Anmerkung zitiert: Der Wahlkampf 2017 wird eine Braune Schlacht. Mir graut es jetzt schon! Stimmt wohl, aber wer braucht eigentlich die AfD und Pegida, wenn Seehofer schon vor 3 Jahren „bis zur letzten Patrone“ gegen „Zuwanderung in die deutschen Sozialsysteme“ kämpfen wollte? Zauberlehrling usw.

Zur tagesaktuellen Situation enthalte ich mich, alles viel zu unklar, auch und vor allem in meinem Kopf, nur eins noch: Das Zusammentreffen unschöner Ereignisse kann zu einem unerwarteten Ausgang führen, sprich: Die Gunst der Stunde, oder der böse Zwilling von Kairos sprechen gerade vielleicht für die Islamhasser. Vielleicht aber auch im Gegenteil – ich bin nur etwas skeptisch, weil ich kürzlich die arte-Doku über Ishiwara Kanji gesehen habe: Eine von der Mehrheit nicht gewollte Militäroperation nationalistisch-konservativer Offiziere glückt dummerweise und macht aus der liberalen, modernen Demokratie der 20er Jahre einen von Nationalismus besoffenen Hitlerverbündeten. Platt ausgedrückt, aber so schnell kann es gehen.

Natürlich reicht es zur Erklärung aktuellen Geschehens nicht aus, nur in alte Bücher zu schauen. Aber es gibt da durchaus interessante, hochaktuelle Stellen, bei Foucault zum Beispiel, wie auf haftgrund zu lesen ist. Gemischt mit einigen der unzähligen Alltagsberichte – Keiner kommt hier lebend raus, ohne Zweifel – führt das unweigerlich zu gezielter Ignoranz. Manchmal reicht es aber auch schon, sich nur eine Statistik mal ganz genau durch den Kopf gehen zu lassen. Oder ein Taufregister zu lesen, das inzwischen wahrscheinlich schon jeder kennt, aber es passt so gut zu den nächsten beiden Bildern:

Graffiti-Schriftzug an einer Hauswand: Ein Kiez wehrt sich

Brandmauer eines Wohnhauses, mit großen Schriftzügen plakatiert zu Mieterhöhungen und Modernisierung

Berlin also, und die alten, leidigen Berlin-Probleme. Da es hier überraschend ruhig ist (die für spätestens zum 31.12. erwartete Modernisierungsankündigung lässt erstaunlicherweise noch auf sich warten. Wir reiben uns die Hände, nicht nur, weil die Kohlen langsam knapp werden…), ein paar nützliche Hinweise zum Berliner Winter von katjaberlin. Eine der blödesten Sachen am Winter in Berlin ist der November. Grübeln, Gedanken nachhängen, noch mehr Gedanken nachhängen und fotografieren. So ähnlich ging es mir auch, nur schaffte ich es selten bis an die Tastatur. Dann kam der Dezember und mit ihm, wenn man weihnachtsbedingt in die Heimat der Kindheit und Jugend fährt wie Thorge, auch die Erinnerungen. Auf melancholie modeste sind es die an den sonntäglichen Esstisch der Großeltern – und was dieser (nicht) mit Neukölln zu tun hat. Apropos Essen:

Street Art paste up eines kleinen Mädchens, das kniend eine Meise füttert, an einer Hauswand direkt neben einem Restauranteingang

Gleich nebenan – aufgenommen wurde dieses Bild im Herzen von SO36 – befindet sich ein Imbiss namens Curry 61. Während das aus Funk&Fernsehen bekannte Curry 36 im tiefsten Kreuzberg 61 liegt. Muss man nicht verstehen, dieses Berlin (es hat wohl mit der Hausnummer zu tun, aber psst!). Genausowenig wie die immer noch existierende Schlange vor dem Gemüsekebap. Doch ich schweife ab, eigentlich sollte es jetzt um schöne & gute Texte gehen.

Erstmal die Theorie: In der NZZ schreibt Matthias Politycki darüber, was ihn zum Schreiben brachte. Aléa Torik setzt sich mit der zweifelhaften Notwendigkeit von Handlung auseinander und Jutta Reichelt mit der Leserperspektive. Ganz ähnlich, nur etwas weiter gesteigert (Lesen vor Publikum), in der angenehmen Reihe „Vielleicht später“ vom Suhrkamp-Blog: Bad Segeberg von Detlef Kuhlbrodt. Zum Schluss, aber immerhin, sei noch auf die Lyrik-Betrachtungen bei kleinedrei hingewiesen. Kommt ja sowieso meist zu kurz, die Lyrik.

Als Finale einige Praxisbeispiele, sozusagen. Tikerscherk lässt ungeschaffenes Licht strahlen, in Lencois, wie es der Kiezschreiber beschreibt, strahlt die Sonne etwas trostlos auf einen Säufer, Monsieur Manie beschreibt in mehreren Teilen Die Probe und Thibaud sagt etwas über eine Musikerin. Auch in diesem (einen von vielen, wie bei allen anderen Erwähnten und vielen Nichterwähnten ebenso) schönen Text von asal spielt Musik eine wichtige Rolle. Asallime, soviel Resumee muss sein, war neben Mikis Wesensbitters Mauerfall-Tagebuch meine Blog-Entdeckung des letzten Jahres.

Falls jetzt jemand angesichts des Jahresbeginns einen Ausblick erwartet hat: Da verweise ich auf Ahne, oder auf dieses Bild:

Blick über die Bahntrassen Richtung Potsdamer Platz, im Hintergrund der Fernsehturm

Das Letzte

Eigentlich wollte ich mich sang- und klanglos verabschieden aus diesem Jahr. Doch die gute tikerscherk löste mit ihrem letzten Beitrag etwas in mir aus: Also bin ich schnell die Treppen runter – der Ascheeimer quoll sowieso schon wieder über – und machte fix ein Foto, oder das, was das antike Mobiltelefon dafür hält. Deswegen, statt vieler Worte, ein paar räudige Bilder als letzter Gruss aus einem räudigen Jahr:

Detailaufnahme einer Hausflurwand, mehrere Schriftzüge: Jesus lebt, Elvis auch! Und der WeinachtMANN?

 

Da Morgen ja gefeiert wird (zum Glück habe ich mich überreden lassen, mich vor die Tore der Stadt des Bürgerkriegsgebiets zu verziehen), ist eine dementsprechende Örtlichkeit unverzichtbar:

Eine geflieste Kneipeklowand mit Aufklebern übersät, u.a. mit einem Kreppklebeband, auf dem "Partyklo!" steht

 

Dieses befindet sich übrigens in einer Lokalität, die im gerade auf dem letzten Loch pfeifenden Jahr mehr und mehr zu meinem zweiten Wohnzimmer wurde. Schon alleine wegen der Gespräche dort: „Ist Keks da?“ – „Der mit dem Feuerzeug im Ohr?“ – „Nee, das ist Dose.“ – „Die sollten ma heiraten, wär‘ doch ’n schnieker Doppelname!“

Nach einer längeren Nacht verewigte sich hier eine durchreisende Musikgruppe, die ich vergeblich versuchte zu überzeugen, ihren Namen in „Die herrenlosen Koffer“ zu ändern, mit einem inzwischen langsam verblassenden Schriftzug unter der Dartscheibe (Kreide, kein Edding, stilvoll wie sie sind): Reisegruppe Unangenehm. Passt auch.

Politik gibt es da natürlich auch:

 

geflieste Kneipenklowand mit einer Zeichnung: Ein weibliches Gesicht, zum Teil vermummt mit einem Dreieckstuch, dort drauf der Schriftzug "Fight Sexism now"

Wie an fast jeder Ecke in dem Kiez. Hier eine meiner liebsten:

Mauer der Admiralbrücke mit einer Zeichnung, ein Herz, davor der Schriftzug Kämpa Showan

Eine Zugabe für den Kiezneurotiker:

Detailaufnahme eines Aufklebers MinaBruce

 

Ein Panorama für alle:

Eine gelfieste Kneipenklowand mit vielen Aufklebern

 

Kölner Dom, Innenansicht Dach, ca. 2011:

Detailaufnahme Kölner Dom Treppenwand: Toto+Harry, 27.6.09

 

Mit diesen Worten, ebenfalls Köln und leider ebenfalls in ganz mieser Qualität, lass ich das Jahr dann mal ausklingen. Gehabt Euch wohl:

Rheinufer in Köln, an der Mauer gegenüber ist schwach der Schriftzug "Poesie du alte Hure" zu erkennen

Gefiedertes und andere Bilder

Mal wieder einen Film abgeholt. Die Überraschung: Ich habe kein einziges Hundebild geschossen. Das ist neu.

Auf einer Backstein-Hausmauer (Gebäude auf dem Bahnsteig S-Bhf. Tempelhof) steht der Schriftzug "Rache", aufgetragen mittels Säuberung oder Aussparung der betreffenden Stellen wie es scheintRache, okay. Aber wofür? Interessante Technik, btw.

Wandgemälde Berlin Kreuzberg, Ritterstrasse: Obama, Merkel und Putin, grellbunt dargestellt in Form der drei Affen, die nichts sehen (Obama), nichts sagen (Merkel) und nichts hören (Putin)Merkel, schon mal hinter Schattengittern.

Ein asugebranntes Moped, verkohlte Reste der Verkleidung und Absperr-Flatterband drum herumFahrräder brennen nicht. Mopeds schon.

Sitzfigur Klio, Ferdinand Hartzer, Mehringplatz Berlin, die Figur ist von einem Baugerüst eingefasstGeschütztes Lesen

Ein schief aufgenommenes Bild eines Reihers, der auf einer Boje im Landwehrkanal sitztGanz schön schräg: Reiher auf Boje

Ein Reiher sitzt im Regen auf einem Pfosten im LandwehrkanalGanz schön mürrisch: Reiher im Regen

Ein Rabe sitzt auf dem Dach eines Flosses, das am Ufer des Landwehrkanals vertäut istRabe auf einem Floss

Ein Rabe sitzt auf der Schulter eines Denkmals (Rückansicht) einer männlichen PersonRabe auf einer Schulter

Ein Baumstamm (Buche), an dem alte Schnitzereien zu erkennen sind: Eine Signatur Ah und die Zahl 60 sowie ein HakenkreuzNazi-Schnitzerei auf Buche, ca. 1960er Jahre, Ausstellungsort Grunewald

Köpenick, Kanal & Co.

Dieses Fotolabor scheint jeden Brückentag mitzunehmen. Das hat mal wieder etwas länger als erwartet gedauert, aber dafür war – im Gegensatz zu den letzten beiden drei Versuchen – die freudige Überraschung ob des Ergebnisses umso größer. Und Freude gehört geteilt, selbst wenn es vielleicht ein bisschen viel ist:

Dieses Scannen kann einen übrigens kirre machen; scannen, zurechtschneiden, 36 Bilder lang mit der alten Möhre. Allerdings habe ich dabei, im Rahmen der Routine, wenigstens gute Musik gehört, und zwar mit dem antiken CD-Wechsler, um die Möhre zu schonen. Und bin auf folgenden Soundtrack gestossen: Die Antwoord hat was, durchaus;  schon längere Zeit kann ich die beiden drei ab und zu ganz gut leiden. Letztendlich sind sie aber nur eine traurige 2010er Version von The Prodigy. Die ich eben in dem CD-Wechsler entdeckte. Sag ich mal als Laie.  Den Vergleich ziehen lustigerweise auch andere, viel berufenere Federn. (Auf die Kusturica-Story hätte ich auch selber kommen können müssen)  Es sollen immerhin 28 Grad werden, oder so. Und noch dazu Karneval der Kulturen. Prost Neujahr, sozusagen! (Fuck, waren die geil, damals in Roskilde…)

(Nicht auf den Bildern, aber zur gleichen Zeit passiert: Wie die alte Hundedame und ich an der Köpenicker Promenade Rocky trafen, mit seinem ganz und gar rockyuntypischen Collie. Eben:  kein Pitti, kein Rottweiler und – scnr – auch kein Boxer. So drehten wir zu viert eine kleine Hunderunde miteinander. Kein unsympathischer Mensch, ganz im Gegenteil. Am Katzengrabensteg trennten sich unsere Wege, und natürlich hat die eingebildete, wunderliche alte Hundedame den in voller Hormonblüte [no pun intended] stehenden Collierüden nicht mit dem Arsch angeguckt.)

Warten

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Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, als nächstes wieder ein paar Fotos zu veröffentlichen. Allerdings nicht die, die hier zu sehen sind, sondern aktuellere: von dem Film, den ich in den letzten Wochen füllte. Da nun aber das Fotolabor scheinbar komplett das lange Wochenende geschlossen hatte, braucht die Entwicklung um einiges länger als gedacht. Die Vorfreude hat auch eine Medaillen-Rückseite, wenn die einkalkulierte Frist verstrichen ist.

Deswegen also noch etwas Geduld, versüsst mit alten Digitalbildern. Macht aber nichts, denke ich mir, ich bleibe bei meiner Planung. Hier im Internet ist doch sowieso gerade Betriebsausflug zum Gleisdreieck, wenn ich das richtig verstanden habe. Ich bin da übrigens nicht, selbst wenn ich könnte – viel zu viele fremde Menschen, ganz zu schweigen von dem Fernseh-Rettungsschwimmer. Aber immerhin, was mich überraschte: Johnny erzählte bei Spreeblick, dass diese ganze Veranstaltung von 5000 Menschen besucht wird. Also ungefähr so viele, wie am 1. Mai in der Naunynstraße selbstzusammengepapptes Köfte-Fladenbrot von Önurs Mama gekauft haben. Oder so. Von daher: Schon enorm, wie stark diese re:publica in den Medien präsent ist.

Hier wird sich also erst mal weiter die Zeit vertrieben, bis der Film da ist und hoffentlich ein paar vernünftige Bilder dabei sind.

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Weiter geht’s…

… mit den Pausenbildern. Bei dem letzten Umzug fiel mir aus einer dunklen Schublade meine uralte Spiegelreflexkamera in die Hände, die ich mal für ein paar Westmark in den 90ern auf einem Flohmarkt irgendwo im Prenzlauer Berg gekauft habe. Voll analog also, ich passe mich langsam den Hipstern in meiner Umgebung an. Nachdem ich herausgefunden hatte, dass Drogerien immer noch Filme entwickeln (lassen) und es dort auch noch welche zu kaufen gibt, machte ich mich ans Werk. Erst wurde – wie ich dann später feststellte – der seit sieben Jahren in der Kamera lagernde Filme nochmal belichtet, entwickelt und sich über das Ergebnis belustigt, dann nahm ich das Gerät mit auf meinen Hamburg-Besuch. Deshalb gibt es nun  ein paar Hamburg-Symbolfotos (bis auf eine trotzdem sehr hanseatische Ausnahme), analog und unbearbeitet, bis auf die Größen- bzw. Formatanpassung.

Kleine Anekdote am Rande: Meine Mutter überraschte mich gestern doppelt: Ich schickte ihr eine SMS, dass sie eine bestimmte Mail, die vorgeblich von GMX kam, gleich löschen sollte. Ihre Antwort: „Schon längst erledigt, auf sowas fall ich schon lange nicht mehr rein.“ Ich staunte und war ein wenig stolz auf sie. Als ich dann die Kamera rausholte und allen die obige Geschichte erzählte und etwas rumfotografierte, fragte sie allerdings: „Die Bilder kann man jetzt aber noch nicht irgendwo sehen, oder?“

Nein, Mama, kann man nicht. Auch wenn auf der Rückseite des Apparates, in der Mitte der Klappe, wohinter sich der Film versteckt, etwas ist, das fast wie ein kleiner Vorschau-Monitor aussieht, auf den ersten Blick. Nur handelt es sich dabei schlicht und einfach um eine Vorrichtung, in die man ein Stück der Filmverpackungspappe reinschieben kann, um immer zu wissen, wieviele Bilder auf dem Film waren und welche ISO er hat. Good ol‘ times…  Man muss also wirklich den Film abgeben und ein paar Tage warten. Und dann scannen, scannen, scannen… Es macht trotzdem Spass, damit rumzuspielen. Dass diese ganze Sache eher spielerischen Charakter hat, sieht man den Bildern dann wohl auch an. Voila:

Dia-Abend mit Trümmern und Brandwänden

Eigentlich waren die folgenden Bilder nur für einen bestimmten Zweck (und eine bestimmte Person) gedacht. Dann dachte ich: Wenn ich sie sowieso schon hochgeladen habe, wieso dann nicht für alle? Also, es folgen ein paar Berlin-Bilder aus einer anderen Zeit, ich hatte sie hier schon mal erwähnt. Die Qualität mag bescheiden sein, sie wurden vor über zehn Jahren (nicht von mir) dilettantisch digitalisiert:

Sendepause mit Testbild

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Ich lass einfach mal übers Wochenende nur ein Bild hier, da ich die nächsten Tage woanders als im Internet sein werde. Leider aber auch nicht da, wo das Foto aufgenommen wurde. Das war in der durchgentrifiziertesten Gegend Tel Avivs, zugleich dessen Keimzelle, sozusagen. Ein Musterbeispiel, wie aus Urban Decay in wenigen Jahren Immobiliengold geworden ist. Aber der älteste Kiosk des Kiezes, an dem dieses Piece zu finden ist, steht halt immer noch, und zwar mit den Spuren der Geschichte, im Gegensatz zum schick renovierten, angeblich ältesten Kiosk der Stadt am Rothschild Boulevard.  So, jetzt hab ich schon wieder mehr geschrieben, als ich wollte. Deswegen noch schnell der Kiosk in Gänze und dann ist Schluss.

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