Systemkritisches Frisurenverhalten szenetypischer Großstadtrandgruppen

12.08.03

Aus politischer Überzeugung
störe ich seit zehn Jahren
meine Haare nicht mehr
beim Wachsen.

Doch jetzt erst fiel mir auf,
dass ich damit wirklich dem System schade.
Durch gesparte Friseur- und Kammkosten.

Für wie viele fehlenden Arbeitsplätze
ich wohl über die Jahre gesorgt habe?

Allerdings werde ich noch übertrumpft,
durch die guten alten Rude Boy Skins.
Kein Friseur, kein Kamm, kein Shampoo.
(Kein Gott, kein Staat, kein Vaterland)

Aber: Die der Wirtschaft vorenthaltenen Gelder,
werden am anderen Ende wieder ausgegeben,
für Haarlack und Farbe,
von den Punks,
den Deppen.

9 Gedanken zu „Systemkritisches Frisurenverhalten szenetypischer Großstadtrandgruppen

  1. Und was du an Friseur-Gesprächen verpasst hast! Ich vermisse meinen schwulen Coiffeur in der Motzstraße, der immer viel zu laut geredet, Wörter herrlich falsch ausgesprochen („Dark-Raum“) und von seiner Kindheit mit Bruder und einbeiniger Mutter in Polen erzählt hat.

      1. Mit der Generation von Cailloux und seiner weinerlichen Sentimentalität kann ich nicht viel anfangen. Über Fauser sagt er in einem ZEIT-Interview: »Für mich war das ein seltsamer Vogel mit Plastiktüte.«

        Als ich 1992 in seinen Kiez zog, war der Zauber längst verflogen und das Szeneleben pulsierte inzwischen in P-Berg und F-Hain. Da ging Cailloux schon auf die Fünfzig zu.

        1. Hm, gibt’s da ne ganze Generation zu? Mit mancher Weinerlichkeit kann ich manchmal ganz gut was anfangen…und Das Geschäftsjahr… fand ich interessant, der kleine Historiker halt mal wieder…
          An das Zeit-Interview(Porträt?) kann ich mich auch noch erinnern, an das Zitat nicht. Er könnte damit aber durchaus recht gehabt haben….

  2. Ich erspare mir die „Frisör“ – Gespräche seit meiner unendlichen Erfahrung mit einem wianerisch – weinerlichen Schneider am S-Bahnhof Berlin Steglitz (14 € all inclusive) mit der 3 mm = 3 Euro Gefälligkeit von Elke.

    Keine Kammkosten.

    1. Versuch macht kluch sagte meine Urgroßmutter immer. Klingt auf alle Fälle nach einer interessanten Preisgestaltungspolitik. So nach dem Motto: Wer es schafft, das Riesenschnitzel komplettt zu essen, braucht nicht dafür zu zahlen (kein Geld jedenfalls, ein paar Einheiten Würde und Gesundheit könnten da schon bei draufgehen…)
      Oder im Geschäft nebenan, betrieben von der Schwester oder der Tochter, werden zufällig wärmende Wollmützen verkauft….sorry, ich schweife schon wieder ab…..

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