Fragmentarische Korrespondenz, weich und divers (XII)

Über Inspiration, das Schreiben, das (Vor)Lesen, Bücher, Filme, Musik und den ganzen Rest: Von Kriegen und Frieden, und auch vom niemals zufrieden oder je ganz fertig genug sein. Kann Spuren von Drogen enthalten.

Ein einseitiger Briefroman in Fortsetzungen

(2002-2004)

(Zur Vorrede und Teil I hier entlang.)
 

Datum: [Juni 2003]
 

Betreff:

Hallo M.,

jetzt endlich komme ich erst dazu, dir zu schreiben, dabei bin ich schon fast wieder eine Woche hier. Naja, viel zu tun, du kennst das ja ;). also: vielen aufrichtige Dank noch mal für die nette unterkunft & gesellschaft, ich habe das echt sehr genossen. da bin ich auch gar nicht traurig, dass ich mein shampoo vergessen habe *g*. siehe meine hinterlassenschaften einfach als zeichen meiner gastfreundschafts-dankbarkeit…

ich hoffe, dass n. einigermassen wohlbehalten zurückgekommen ist, ich habe ja schlimme sachen gehört, mal wieder. aber andererseits behauptete die ard auch etwas von 100.000 demonstrierenden, und das fand ich ziemlich beeindruckend.

natürlich habe ich es noch nicht geschafft, wieder etwas zu schreiben, obwohl ich es fest vor hatte, meine reise müsste auf alle fälle einen text wert sein – aber bisher war das wetter zu gut, und das meine ich wörtlich, denn in der hitze kann man wirklich nichts produktives tun, leider auch nichts für die uni, weder das referat mit der blöden referatsgruppe noch meine hausarbeit sind nennenswert vorangekommen.

Dafür wurde aber reichlich auf dem hof gegrillt *g* – und k.[Hund] wurde mit sehr viel aufmerksamkeit für meine abwesenheit entschädigt. zur zeit sind wir gerade dabei, die nebenwohnung zu okkupieren und durchbrüche durch alte berliner altbauwände zu machen, was bei dem wetter auch ziemlich blöd ist. und das alles nur, weil ich im sommer hochgeschätzte gäste aus wiesbaden erwarte…. :). aber auch dafür ist es eigentlich zu warm.

am montag war ich dann übrigens doch arbeiten, und morgen werde ich wohl auch dem kapitalismus meine dienste erweisen müssen, obwohl heute abend eine hof-geburtstagsparty des netten nachbarn ist. was für eine grausame welt. kann nicht jemand erwerbsarbeit gesetzlich verbieten?

so, bevor ich jetzt noch mehr schriftliche beweise dafür erbringe, dass mein gehirn inzwischen geschmolzen ist, höre ich lieber auf. vernichten sie diese nachricht nach dem lesen, sie ist nämlich eigentlich nicht existent.

grüsse alle anderen, vor allem l.[Hund].

bis zum nächsten mal, ich hoffe dann bin ich wieder etwas besser beieinander.

ciao

s.

ps. ich bin trotz aller widrigkeiten (wetter, möllis tod) dabei, das wort meckes (wie wird das eigentlich geschrieben?) hier einzuführen, allerdings stosse ich auf enormen widerstand – später mehr dazu….

Datum: [Juni 2003]

Betreff:

Hallo M.,

endlich habe ich mal wieder ein bisschen zeit gefunden, zufällig in einer ecke beim aufräumen, dir zu schreiben. also:

erst einmal noch eine entschuldigung für das mail-mißverständnis. ich hoffe, du hast das nicht wirklich ernst genommen, dass ich deine gastfreundschaft auskoste und dann eine komische mail schicke und mich dann nicht wieder melde. ich bin zwar ein vielleicht etwas komischer typ, aber doch nicht so! :- )

es freut mich, dass n. wohlbehalten angekommen ist, und ich hoffe, er ist inzwischen wieder genesen. viele grüße auf alle fälle an ihn, und wo wir gerade dabei sind, auch an u., a., m. und l.[Hund] nicht zu vergessen. sei mal ehrlich, was wurde denn so über mich getuschelt, als ich weg war? : )

es hat mir echt ganz gut gefallen bei euch (es war nett… *g*) & auf euerm dach. und sag u., wir können die lesung ja nachholen.

schön, dass dir das seyfried-buch gefallen hat, ich hoffe der geheimauftrag hat dich dazu gebacht, die ganzen witzigen kleinen details zu finden.

wer ist thomas meinecke? der name sagt mir irgendwas – kannst du das stilistisch einordnen? haben wir uns über ihn unterhalten? nein, oder? kurzzeitgedächtnis, wo bist du hin…

na ja, rave habe ich auch mal angefangen, ist doch von alexa h. von l., oder? hast du es weiter gelesen? habe ich irgendwann nicht mehr, lag aber daran, dass ich zu viele kritik und häme darüber gelesen habe. von wegen pop und ficken und pillenschmeissen und schluss.

wo wir beim thema sind: bücher. schreiben. bücher schreiben : )

im rahmen meiner arbeit habe ich ja auch dieses buch mit dem inhaltsverzeichnis hinten, so wie in russischen büchern hast du glaube ich gesagt, lesen müssen. ich bin inzwischen fertig damit (leider noch nicht mit der hausarbeit, aber vor drei stunden habe ich beschlossen, dass ab sofort rechercheschluss ist und ich mit der ausarbeitung anfangen sollte). und dieses buch mit namen „kaltland beat“ hg. von boris kerenski und sergiu stefanescu ist wirklich sehr sehr gut. wenn mich noch mal fragt „hausarbeit über social beat, wat is denn dat fürn scheiss“ dann kann ich sagen „hier, wenn es dich wirklich interessiert, dann lese das und du weißt so gut wie alles.“ meist gute texte von den protagonisten, halbwissenschaftliche (szene-interne) bis wissenschaftliche (z.b. von dem prof, bei dem ich die ha schreibe …) betrachtungen über das thema und untergrund-literatur im allgemeinen und sehr viele seiten –

lass dich nicht von dieser subjektiven beweihräucherung beeinflussen – lese es einfach selbst : )

du siehst, der aufenthalt in wiesbaden hat mir doch einiges gebracht. ich kann jetzt in meine künstlerbiographie schreiben „trat im berühmten cafe che in wiesbaden auf“. aber im ernst, das war schliesslich meine erste „auswärtslesung“. und das thema, über das ich gerade lese ist eigentlich auch ganz karriereförderlich, weil es lust macht, zu schreiben, doch da komme ich gerade deswegen nicht zu – paradox, was?

nun ja, und auch dein rat habe ich beherzigt – ich habe so ziemlich alle meine texte von der [Literatur-Website]-seite genommen, das hat ganz schön gedauert mit meinem blöden 56k-modem. und das werde ich auch mit meiner homepage tun. durch das vorbereiten auf das lesen in wiesbaden habe ich gemerkt, dass einige texte einfach noch nicht fertig geschält sind, so wie ein apfel – es muss einfach noch was weg. da bin ich begeistert von kerouacs stil des unmittelbaren schreibens und mache dann doch genau das gleiche wie er und verändere die texte doch im nachhinein…

übrigens, als ich meine texte bei der [Literatur-Website] gelöscht habe, merkte ich, dass erstens ein völlig falscher text von mir als „anthologie-text“ angegeben ist, und ich den zweitens nicht löschen kann – mafia *g*

doch durch mein mangelndes zeitvolumen bin ich sowieso nicht auf dem laufenden, was die [Literatur-Website] angeht. du hast es gut, du hattest pfingstferien! übrigens, fällt mir gerade ein, ich habe bei meinen recherchen auch einiges über dr. treznok gelesen, der scheint ja ziemlich aktiv zu sein und gibt wohl auch eine ganz geachtete literaturzeitschrift heraus. wenn du ihn kennst, frag ihn doch mal, was er von deinen texten hält, wenn es eine möglichkeit der veröffentlichung gäbe, dann bestimmt bei ihm. oder hast du das schon versucht?

zum thema wanddurchbruch: meine nachbar-wg zieht aus, und da habe ich mit meiner freundin überlegt, ob wir nicht einfach die wohnung noch dazu nehmen sollen, und nach viel hin – und herrechnen haben wir uns entschlossen, das zu tun, müsste knapp klappen vom geld her, und schließlich muss ich ja mein bild vom „komischen typen“ aufrecht erhalten – das ist eigentlich eine super yuppiemäßige geschichte, so eine große wohnung nur für zwei leute, aber eben unverschämt billig, du weißt ja, ofenheizung. und da haben wir halt schon einen durchbruch gemacht (obwohl wir noch keinen mietvertrag unterschrieben haben *g*) und sind fleißig am malern. die hälfte der wg, zwei typen, sind schon ausgezogen, in den dritten stock in unserem haus, und die andere hälfte, ein typ, der ins hinterhaus zieht, ist de facto noch da, also habe wir jetzt quasi eine große wg. aber unser neuer mitbewohner ist für zwei wochen nach frankfurt/ bei wiesbaden, gefahren, weil er da auch eigentlich herkommt, und arbeitet bei einem freund von ihm in einem second-hand-laden. deswegen haben wir einen neuen neuen mitbewohner, der ein freund von einer polen-wg aus dem hinterhaus ist und eigentlich in einem besetzten haus wohnt, was aber geräumt wurde. er spricht ein wenig deutsch und mag hunde. hat diese beschreibung die situation „durchbrochene wand“ für dich ein wenig aufgehellt? : )

übrigens, so groß meine künftige wohnung auch ist, ich würde nie auf die idee kommen, dort hornissen aufzunehmen. das geht in geschlossenen räumen und mit marmelade im kühlschrank nie gut!

der grund übrigens für mein langes nicht-antworten ist nicht nur die uni, sondern auch das festival, auf dem wir letztes wochenende waren. kurz zusammengefasst: nett. (du weißt, dass das bei mir so einiges heisst). und gerade richtig dosiert, nette bands und nicht zu lange, du weißt ja, ich bin alt, und vier oder fünf tage festival-müllberg-schlachten und dixiklos muss nicht mehr sein. drei tage aber waren völlig ok. könnte ich nächstes jahr wieder hin, vor allem weil es nur 85km von berlin weg war.

zu deinem religiösen erlebnis fällt mir weder ein reim noch eine erklärung ein, da bleibt mir nur den mund offen stehen und zu sagen: jooo, sowat kommt schon mal vor. ansonsten verbleibe ich mit freundlichen grüßen.

bis denne

s.

ps1. wenn ich in 2-3 wochen nicht über nennenswert neue texte bzw. wenigstens überarbeitete [Literatur-Website]-seiten verfüge, tritt mir doch bitte in den arsch!

ich bin zur zeit nämlich eigentlich voller tatendrang und schreibenslust, doch bisher konnte noch nichts umgesetzt werden.

ps2. was hälst du von dem künstlernamen „boleslaw beirut“? sollte ich punk-texte schreiben und unter diesem namen auftreten? 

ps3. du siehst, ich verändere vielleicht meine texte im nachhinein, aber sie, frau m., werden trotzdem, wie sie sehen, weiterhin in den genuss nicht nachträglich manipulierter und deshalb verworrener mails kommen. viel vergnügen & gute nacht!

 

 

Datum: [Sommer 2003]

 

Betreff:

 

 

Hallo M.,

ich lebe noch, falls du dich das in der letzten zeit gefragt haben solltest. : ) Aber es ist viel passiert.

Aber auch deine mail hörte sich ja so an, als ob du viel zu tun hättest. unangekündigte klausuren gehören verboten!

Also, das baustellenleben hier ist so gut wie vorbei, ein grossteil der neuen wohnung gemalert & eingerichtet. Juhu! und morgen zieht a., unser derzeitiger mitbewohner, wohl aus. obwohl ich mir da noch nicht so sicher bin, gestern war nämlich das alljährliche hinterhaus-hoffest, was ziemlich geil war, und auch lange ging. mal schauen. eigentlich wollte ich dir schon vor einer woche schreiben, mit dem stolzen betreff: hausarbeit fertig! (ich hab sie dir übrigens hinten angehängt). na ja, aber dann kamen eben diverse handwerkliche tätigkeiten dazwischen, dann musste ich noch dreimal zur hausverwaltung laufen, um endlich den mietvertrag unterschreiben zu können, und dann haben wir auch noch entdeckt, dass unser guter volvo zum tüv muss. unser autoschrauber meinte, das wird teuer. und die uni will auch schon wieder 215 euro haben. ALLE WOLLEN NUR DAS EINE – mein geld. aber das kriegen sie nicht, denn ich habs ja auch nicht *g* dann wollte ich dir eigentlich vorgestern antworten, doch ein treffen mit dem mitbewohner a. verhinderte das. wir haben uns bis um drei uhr nachts über alles mögliche unterhalten, und als ich ihm von meiner schreiberei erzählte, wollte er was vorgelesen haben, und er hat auch was vorgelesen. ich gehe inzwischen offensiver damit um, „verstecke“ es nicht mehr so. na ja, aber du weißt ja, die meisten leute sagen als antwort auf „ich schreibe“ „ah ja“.

meine texte bei der [Literatur-Website] habe ich wie gesagt runtergenommen, um sie ein wenig zu überarbeiten, war doch dein vorschlag *g*[…]

jedenfalls hoffe ich, dass es dir jetzt besser geht, so langsam nahen die ferien ja auch. ich hoffe, dass ich dann weiterkomme mit meinen texten und auch vielleicht mal wieder ans vorlesen denken kann. ich habe schon ein paar texte fertig und werde demnächst wohl wieder was zu der [Literatur-Website] stellen und meine homepage neu gestalten. habe auch schon ein, zwei neue sachen geschrieben und noch einiges im kopf.

Gratulation übrigens zu dem absatz der […]-exemplare. was macht die kunst eigentlich bei dir? rumwandern in schweden hört sich gut an, aber auch nach vielen mücken, glaube ich. mir wird dieses jahr wohl nur eine woche an der ostsee bleiben, das wars. mal schauen, was berlin so zu bieten hat im sommer. daher müsste ich in der letzten septemberwoche auf alle fälle auch da sein und würde mich natürlich freuen, wenn ich mich für eure gastfreundschaft revanchieren könnte. Habt ihr irgendwelche besonderen vorstellungen, was ihr machen wollt?

Übrigens hörte sich deine mail so an, als ob du wenigstens dazu kommst, einiges zu lesen, das habe ich nicht geschafft, ich muss meine bücher erst mal neu sortieren, nach dem umlagern. und eine sache ist mir noch dazwischen gekommen: die nachbarn, die uns ihre wohnung überlassen haben und in den vierten gezogen sind, haben sich jetzt eine dsl-flatrate geholt, und da hängen neben uns inzwischen noch drei andere wohnungen dran. das bedeutet surfen ohne ende für nen zehner im monat oder so. doch ich computer-laiendarsteller brauchte erst mal zwei tage, bevor ich das netzwerk auf einen computer eingerichtet habe. jetzt warten noch zwei laptops darauf, mitverkabelt zu werden, und ehrlich gesagt denke ich, dass diese aufgabe meinen fähigkeiten übersteigt. aber andererseits „übung macht den meister“. jedenfalls ein weiterer umstand, der mir zeit rauben wird. aber vielleicht fange ich dann doch noch mit film- und musikdownload an, kannst mir ja dann nachhilfe geben. das gute daran ist aber auch, dass das homepage bauen und [Literatur-Website]-texte bearbeiten schneller geht, das ist cool.

Also, das soll es gewesen sein. viel spass beim lesen meiner arbeit und ehrliche kritik ist erbeten. : )

demnächst hoffentlich mehr unterhaltsameres von mir

bis dann

s.

ps: meine eine schule in der ddr hieß boleslaw bierut, das war wohl ein polnischer kpd-chef, und ich fand den namen ganz cool. man braucht halt bloss noch zwei buchstaben vertauschen.

 

Datum: [19. Juli 2003]

 

Betreff:

 

Hallo M.,

Gestern hatte nelson mandela 85. geburtstag, habe ich gelesen. Und dass er für mr bush nicht zu sprechen war, als dieser seine afrika-werbe-tour machte. Fand ich gut. Das nur kurz vorweg.

Danke für deine kritik an meiner hausarbeit. Nun ja, ich fand sie auch sehr essayistisch, aber irgendwie versuche ich immer, den stil auch ein wenig dem thema anzupassen. Diese umschreibung trifft es zwar nicht ganz genau, aber das war der grund, warum ich die arbeit so geschrieben habe. Naja, und es ist schließlich für ethno, da denke (und hoffe) ich, kann man so einen stil in der hausarbeit bringen. Obwohl ich mir nicht sicher bin, und die prof lässt sich auch ganz schön lange zeit mit dem durcharbeiten, langsam werde ich nervös :).

Zum Thema Kohleöfen:

Mama, der mann mit dem koks ist da. So hiess es früher auf den Straßen Berlins, und bis heute ist dieser brauch erhalten geblieben. Bloss dass mit dem koks nicht mehr geheizt wird, das wär auch zu teuer.

Heutzutage heizt man den Kohleofen mit Briketts, teilweise auch mit Schüttbriketts, das sind dann die billigen, kaputten Teile. Es gibt übrigens unterschiedliche Arten von Öfen, die auch in der Haltung und Pflege verschiedene Ansprüche stellen.

Zum einen wäre da der klassische Kachelofen, der bekannteste Vertreter seiner Gattung. Schon oft in Film und Fernsehen zu sehen gewesen, besonders in älteren Produktionen, eignet er sich für die Präsentation seiner Gattung vor allem dadurch, dass er über ein ansprechendes Äusseres verfügt. Auf einem meist quadratischem Grundriß erhebt sich circa 2m ein regelrechtes Kunstwerk der Kachel- und Ofensetzerkunst. Teilweise sind die Keramikziegel äusserst stilvoll gestaltet und mit Ornamenten verziert.

An der unteren Frontseite des Kachelofens befinden sich zwei Klappen, die Zugang zum Inneren verschaffen. Die obere Klappe dient zum Befüllen des Ofens, die untere zum Entnehmen der Asche. Kachelöfen zeichnen sich dadurch aus, dass sie eine angenehme, langanhaltende Wärme verbreiten. Ihr Inneres ist mit sogenannten Schamottsteinen verkleidet, welche sehr gut Wärme speichern können. Als Brennstoff eignen sich vor allem Briketts. Kachelöfen können auch größere Zimmer beheizen.

Ihr Nachteil ist allerdings, dass sie nicht schnell Wärme abgeben. Kommt man also beispielsweise nach einer woche skiurlaub in st. Moritz zurück in die heimische villa, dann dauert es circa 4-5 stunden, bis die bude eine annehmbare temperatur hat. Doch wenn der Ofen erst mal in Gang ist und durchschnittlich mit ca. 5 Briketts gefüllt ist, dann vergehen durchaus 5-6 stunden, bis man nachlegen muss. Das ist immer davon abhängig, ob der ofen auch dicht ist.

Um den Kachelofen über nacht in gang zu halten, kann man einerseits clever stapeln, so ungefähr 6-7 briketts reichen da vollkommen aus, oder man beherzigt die ratschläge der altvorderen.

Großmütter erzählen zum beispiel gerne, dass sie früher, als es an allem knapp war, die kohlen mit nassem zeitungspapier eingewickelt haben, um sie länger am glühen zu halten. Die Frage, die sich hier stellt, ist, woher es damals so viel zeitungspapier gab.

Eine andere Variante des Kohleofens ist der sogenannte Allesbrenner. Dieser ist nur circa einen meter hoch. Seine Aussenhülle ist nicht aus Kacheln, sondern aus Gußeisen. Seine Qualität ist die sehr schnelle Wärmeabgabe. Wie sein Name verrät, lässt er sich auch mit den vielfältigsten Brennstoffen befeuern, ideal sind allerdings die sogenannten eierkohlen. Sie unterstützen die extrem schnelle Wärmeverbreitung optimal.

Der Allesbrenner ist zwar von innen auch mit wärmespreichernden Material ausgestattet, erreicht aber lange nicht die leistung eines kachelofens. Große Räume sind für ihn ebenso ein Handicap wie längere pausen im nachfüllen. Länger als 3-4 stunden sollte man die geschehnisse innerhalb des allesbrenners nicht aus den augen lassen. Es sei denn, man hat ihn mit in nassen zetiungspapier eingewickelten briketts eingepackt, dann geht natürlich alles. Doch die Glut eines Allesbrenners übersteht selten die nacht.

Der Preis des Kohleofenheizens ist natürlich in erster linie unsere arme, verpestete Luft. Ansonsten entsprechen 25 € im Monat bei einer Heizperiode von ca. 4-5 monaten ja 100-125 €. Das ist ausreichend für ca. 1 tonne briketts, wenn man sie billig bekommt. Eine Tonne dürfte bei sparsamen heizen für zwei öfen (= 2zimmer) locker reichen. Kohlen kaufen sollte man übrigens im sommer und zusammen mit anderen, das bringt rabatte.

Bei der anlieferung der kohlen ist es in berlin inzwischen tradition geworden, die kohlenpacker genau zu beobachten und mitzuzählen, was sie einem da reinbringen. Es soll auch schon vorgekommen sein, dass einer der kohlenpacker das aus dem keller rausgetragen hat, was sein kollege reinbrachte.

Soviel zum thema kohlenöfen.

Herzlichen Glückwunsch zur Entdeckung des Sportsgeistes! Vor allem mit der Disziplin „Mit A. Sofas durch die Gegend schleppen“ kannst du dir gute Chancen zur Teilnahme an den olympischen Spielen 2043 in Castrop-Rauxel machen, würde ich sagen. Ich verzichte übrigens seit mindestens drei wochen auf meine unisport-tennisstunden. die handwerkliche betätigung in der erweiterten wohnung forderten ihren tribut. aber inzwischen sind wir so gut wie fertig. alle zimmer geweisst, möbel reingestellt, elektroleitungen verlegt, sachen gebaut, wasserhähne angeschraubt usw. jetzt steht nur noch als langzeitprojekt eine baderweiterung an. das muss allerdings noch warten, da wir inzwischen total pleite sind :-). aber glücklich. ich kenne weder einen meiner yuppie-bekannten, geschweige denn einen studenten, der so eine riesenwohnung zu zweit bewohnt. das ist echt dekadent, du wirst mich zu recht verachten 😉

Naja, und zwischen all dem heimwerkern und auch anwachsender erwerbsätigkeit bleibt kaum mehr zeit zum freizeitsport. doch in einer woche fahren wir mit hund an die ostsee, meine mutter fährt für eine woche in den urlaub und wir besetzten so lange ihre wohnung. mein einziger urlaub dieses Jahr! nix mit in schweden wandern 🙁 .Aber auch bei euch scheinen sich ja dramatische ereignisse abzuspielen! ich wusste gleich, dass diese hornissensache ein böses ende nimmt *g*. das sind echt gefährliche viecher. hatte ich schon erwähnt, dass ich, als ich mal bei uns auf dem dach saß, beobachtete, wie dort in einen toten schornstein lauter bienen reinflogen? da ist im inneren unseres hauses inzwischen bestimmt der geheime mega-bienenstaat entstanden und bereitet sich darauf vor, die weltherrschaft zu übernehmen.

Entschuldige bitte, dass ich schon wieder so abschweife, aber daran ist das gute k2 schuld, und ein bisschen beaujolais. ich habe dieses wochenende das erste mal ein wenig zeit zu entspannen, und das tue ich grade auch. habe eine interessante ddr-biographie über hans fallada gelesen, ein paar texte von mir überarbeitet, die ich nachher noch ins netz stellen werde. Und auch, wenn du es genau wissen willst, einige zeit bei kazaa-lite verbracht *g*. Und ich habe vor einiger zeit einen text geschrieben. du wirst es nicht glauben, aber ist dadurch entstanden und auch sehr davon beeinflusst, dass ich mir auf 3sat 3 tage lang live die verleihung des ingeborg-bachmann-preises anschaute. ich hänge ihn dir an die mail ran. und bin auch gespannt auf deine texte, ichperspekektive ( – hey, das sieht so geschrieben nach einem coolen kraftwerk-revival-bandnamen aus, oder?) hin oder her.

allerdings habe ich diese kritik auch vernommen, und habe drüber nachgedacht. du hattest ja schon zu meinem letzten text bemerkt, dass er eine andere perspektive hätte, und der neue, soviel vorweg, ist auch nicht aus der ichperspektive. aber dann habe ich diese fallada-biographie gelesen, und in einer kritik an ihm (so um 1915-20) wurde hervorgehoben, dass er nicht wie seine literarischen zeitgenossen in der ichperspektive schreiben würde. das scheint also ein jahrzehntealtes thema in den feuilletons zu sein.

Generation Golf 2 habe ich noch nicht gelesen, werde ich aber bestimmt. auch weil ich gespannt bin, wie diese generation, zu der illies ja gehört, damit umgeht, dass sie tot ist. die popliteratur a la kracht (was macht der eigentlich?) und stuckrad-barre (und der?) scheint ja vorbei zu sein. und dieses generation golf 2 muss das ja irgendwie behandeln.

Ich finde jedenfalls, das beweist einmal mehr, dass man nicht irgendwie einem literarischen trend hinterherlaufen sollte, sondern das und so schreiben, wie man sich fühlt, wie man ist. vielleicht haben die popliteraten das ja sogar gemacht.

deine uni-erfahrungen tun mir leid. die heutigen stundenten sind echt ganz schön eingebildet, was handgeschriebene handouts und einiges andere betrifft. ehrlich gesagt zähle ich mich nicht mehr so sehr selbst als student wie ich es noch vor jahren tat. obwohl ich noch einige semester vor mir hab :-). die lebensweise finde ich schon cool, aber viele dieser leute sind mir unangenehm. du weißt ja, früher war alles besser *g*.

Was euren Berlin-besuch angeht, auf den ich schon sehr gespannt bin, kann ich euch dsl-nutzern einen Tipp geben: schaut mal unter folgenden seiten nach: stressfaktor.squat.net – das ist DER terminkalender für die linke berliner szene. dort gibt es auch ganz viele links zu den einzelnen projekten und läden. dann vielleicht noch zitty.de, das ist die offizielle programmzeitschrift, die ursprünglich auch aus der linksalternativen ecke kam, wovon aber nicht mehr viel zu merken ist, und zum thema slam vielleicht noch spokenwordberlin.net (oder mit einem bindestrich irgendwo dazwischen), da gibt es auch noch ein paar weiterführende links. und ansonsten hast du natürlich vollkommen recht, was das chillen angeht. das sollte auch sehr gut möglich sein, wenn das wetter stimmt.

Bei mir kommen schon ab und zu leute vorbei, allerdings weiss ich nicht, ob sie erwarten, dass ich mich darüber freue. das tue ich aber dennoch meistens. und bei euch auf alle fälle.

soviel dazu, ich beende hiermit diesen brief und versuche noch ein paar sätze zu schreiben, in einem anderen word-dokument.

grüsse an alle anderen

s.

ps. wie hältst du es aus, eine so verworrene mail bis hierhin zu lesen? ;- )

 

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