Kick it!

19.07.02

Eigentlich bin ich gar nicht so schlecht im Kickern, ehrlich, das ist jetzt keine Prahlerei. Ich mache das schon eine ganze Weile. Klar, früher war ich viel besser. Da war ich noch jeden Dienstag im Bandito, bis spät in die Nacht. Oder früh in den Morgen.

Damals habe ich sogar an Kicker-Turnieren teilgenommen. Zwar nie gewonnen, aber immer im guten Mittelfeld gelandet, und das bei ziemlich harten Vorrundenspielen. Die, gegen die wir in den Gruppenspielen verloren hatten, kamen meist bis ins Finale.

Aber das ist schon eine ganze Zeit her. Jetzt kicker ich zwar auch noch ab und zu, und ich gehe dafür auch immer noch gerne ins Bandito, aber eben seltener. Man wird halt älter und gesetzter…

Vor kurzem entschieden zwei gute Freunde und Nachbarn von mir, dass sie spontan in den Urlaub fahren wollen. Und ob ich nicht einen Blick auf die Wohnung, den Briefkasten und die beiden Katzen haben könnte? Für die nächsten zwei Wochen?

Kein Problem, ist ja nur ein Stockwerk schräg über mir, und so schlimm sind die Katzen nicht. Und außerdem, das Beste an der Sache war, dass sich in ihrem Wohnzimmer ein ganz vernünftiger Turnier-Kicker-Tisch befand.

Mir wurde ausdrücklich erlaubt, diverse Bekannte einzuladen und den Kicker in Betrieb zu halten. Das hatte einige nette Kleinst-Partys zur Folge, also Veranstaltungen mit den sechs oder sieben Leuten, die es nach dem ganzen Grillzeug und Bier und Tüten noch vom Ufer des Landwehrkanals in die Wohnung geschafft haben. Dabei wurde immer auch ein wenig gekickert, aber hauptsächlich dumm in die Luft gestarrt, weitergekifft und gesagt: „Mann bin ich schon wieder dicht. Und warm ist das heute, oder?!“

Eines Tages ging ich, das Katzenklo musste sowieso sauber gemacht werden, alleine hoch. Ich dachte mir, dass ich ein wenig solo übe, demnächst sollte ein Open-Air-Kickerturnier auf dem Uni-Innenhof stattfinden. Und ich bekam langsam wieder Lust daran. Besonders, weil ich auch bei fortgeschrittener Sinnestrübung im Vergleich mit den anderen noch ganz gut spielte. Oder lag es daran, dass ich meinen Drogenkonsum mal bezüglich des Toleranz-Pegels ernsthaft überdenken müsste?

Egal, ich übte einige Schussvarianten, aus der Deckung, mit plötzlichen Abgaben und all diesen Kram. Als ich gerade dabei war, ausschließlich mit den hinteren beiden Reihen zu spielen, sprang eine der beiden Katzen auf den Tisch.

Ich bin kein grosser Katzenfreund, aber auch kein Katzenhasser. Also dachte ich: gut, die sind eh beide ziemlich allein, nimmst du mal die Herausforderung an. Die Regeln waren, dass ich wirklich nur die hinteren beiden Reihen bewegen durfte, es sei denn der Ball bleibt liegen und die Katze geht nach drei Sekunden nicht an den Ball. Aber keinesfalls einen direkten Torschuss mit der Sturmreihe! Gespielt wird bis sechs, Einwurf in der Mitte und wenn der Ball rausspringt gibt`s Ecke. Zwei Gewinnsätze sind nötig. Der Ball ist erst drin, wenn er nicht wieder rauskommt. Kurbeln ist verboten. Zwei Abstand. Wer zu null verliert, gibt entweder Einen aus oder kriecht unter dem Tisch durch.

Die Katze war soweit einverstanden mit den Regeln.

Nach dem Spiel überlegte ich lange, ob ich wirklich bei dem Open-Air-Kickerturnier mitmachen sollte. Und ich dachte auch darüber nach, ob ich, wenn ich teilnehme, die Katze als Partner mitnehme, sie war im Sturm wirklich gut. Das Ergebnis war 6:3 und 6:4.

Für die Katze.