Nur kurz auf ein Bier

„Und dann haben die mir erzählt, dass diese eine Reporterin da…“

„Katrin Müller-Hohenstein..“ Es gibt schliesslich gerade nur eine weibliche Reporterin da, soweit reicht mein Fussball-Sachverstand.

Mein Nachbar, der unamerikanischste Ami, den man sich vorstellen kann, war dankbar für das verbale Unter-die-Arme-greifen. Auf den Namen wäre er nie gekommen, meinte er, ausser wenn es um Loriot-Zitate gegangen wäre vielleicht.

„Genau, Müller-Hohenstein. Also, die haben mir erzählt, dass die mal…“

„Innerer Reichsparteitag“ sagte ich. Unterbreche ich meine Gesprächspartner eigentlich zu oft?

„GENAU!“ Mein Nachbar schien ehrlich empört. Zur Abwechslung probierte ich es mal mit Zurückhaltung und schwieg. „Wie kommt man denn auf sowas?! Und wieso arbeitet die noch da? Ich meine, die ist doch höchstens 45, wie kommt die auf SOWAS?“

Ich versuchte mich in Erklärungen. Erzählte irgendwas von männerbündnerischen Lokalblattsportredaktionen, in denen solche Floskeln bis in die 80er wohl zum Basisvokabular gehörten und wo Frauen es wahrscheinlich sowieso nicht leicht hatten, sich ihre ersten Sporen zu verdienen. Nebenbei streute ich die Schalke05-Anekdote ein und berichtete von Anne Wills Anfängen – aber: Eine Antwort konnte ich ihm nicht geben.

3 Gedanken zu „Nur kurz auf ein Bier

  1. Hab neulich bei all diesem schwarz-rot-gold auch an diese schräge Vokabel denken müssen und dass man sie heute vergleichsweise wenig hört. Gibt es vielleicht doch sowas wie Zivilisierung?

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